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Tina Häntzschel, Dr. Stephanie Heimgartner und Sofie Mörchen (v.l.n.r.)
Foto: Ulrich Schröder

Literaturgebiet Ruhr

28. April 2016

Literarisches aus Bochum, Essen und Dortmund – Lesezeichen 05/16

Endlich ist es so weit: Mit der Literaturkarte Ruhr gibt es nun einen digitalen Wegweiser durch die zur literarischen Metropole gewandelte Industrieregion. Präsentiert wurde das von der Literaturwissenschaftlerin Dr. Stephanie Heimgartner an der Ruhr-Uni initiierte Projekt pünktlich zum Semesterstart im Bochumer BlueSquare. Auf der interaktiven Landkarte lassen sich im Netz nun „Schauplätze aus Romanen und Gedichten, Aufenthaltsorte von Ruhrgebietsautoren, literarische Institutionen und Autorenbewegungen“ aufspüren. Die Karte zeichnet die Topographie der 53 Städte und Kreise im Regionalverband Ruhr (RVR) nach, wo die literarischen Spuren per Mausklick aufrufbar sind. Bislang konnte im Rahmen eines einsemestrigen Projekts zusammen mit 16 Studierenden des Fachs Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft ein Drittel des recherchierten Datenmaterials ausgewertet werden. Für die Weiterarbeit muss jedoch die künftige Finanzierung auf eine nachhaltige Basis gestellt und nach Sponsoren gesucht werden.

Auf der Literaturkarte verzeichnet ist auch die 2015 in Essen gegründete Literarische Gesellschaft Ruhr e.V., die „sich der Förderung des literarischen Lebens im Ruhrgebiet verschrieben“ hat. So etwa durch die Unterstützung einer Lesung derin Duisburg lebenden Lyrikerin Barbara Köhler am 7.4. in der bestens besuchten Essener Buchhandlung Proust. Anfang April wurde die gebürtige Sächsin für ihren 2015 im Düsseldorfer Lilienfeld-Verlag erschienenen kulturkritischen Gedichtband „Istanbul, zusehends“ mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Das fotografische und literarische Material für eine kritische bildliche wie prosalyrische Reflexion des aktuellen Geschehens in der Mega-City sammelte die Autorin bei einem von der Kunststiftung NRW finanzierten Stipendienaufenthalt in Istanbul im Frühjahr 2014. Lyrisch wird die Bosporus-Metropole zur „Augenstadt“ und „Überforderungszone“ mit ihren „Augen der Überwachungskameras – schlaflos in keiner Nacht“. Wortspielerisch kulminiert dies in Synonymen wie „Polizistanbul“ und „Futuristanbul“.

Zahlreiche spannende Literaturveranstaltungen hat auch das östliche Ruhrgebiet zu bieten. Dies wurde einmal mehr bei einer prominenten Lesung in der Dortmunder Buchhandlung transfer deutlich, wo am 16.4. der Chefdramaturg des Staatsschauspiels Dresden, Robert Koall, zu Gast war. Nicht erst seit Gründung von Pegida Ende 2014 gilt Dresden als Hochburg des Rechtsextremismus: Der nach dem Fliegerbomben-„Feuersturm“ vom 12./13. Februar 1945 ursprünglich von den Nazis propagierte „Opfermythos“ vermische sich in der Stadt mit dem politischen Einschnitt der Wende 1989 – für viele Dresdner ebenfalls eine herbe Verlusterfahrung. Dies wird auch in der unter Beteiligung von insgesamt elf AutorInnen entstandenen Sammelschrift „Mein Kampf – gegen Rechts“ (Europa-Verlag, Berlin/München 2016) deutlich, die Koall in der bis auf den letzten Platz besetzten Lokalität in Dortmund-Hörde vorstellt. Nach der aktuellen Spielzeit wird Robert Koall ans Düsseldorfer Schauspielhaus wechseln. Trotz der verfahrenen Situation in Dresden sei dies jedoch „keine Flucht“, bekennt er im Anschluss an die Lesung auf Nachfrage des trailer-ruhr-Magazins.

Literaturkarte Ruhr

trailer verlost 1 Exemplar „Mein Kampf – gegen Rechts“ auf trailer-ruhr.de

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