Der 22. Februar ist ein besonderes Datum; anlässlich des 80. Jahrestages der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl haben nicht wenige der über 50 Gäste an diesem Abend weiße Rosen mit in die Buchhandlung Holota gebracht, die seit nunmehr 25 Jahren in der Innenstadt von Hamm ansässig ist. Die Blumengeste ist sehr berührend und passt zudem zur Veranstaltung anlässlich des denkwürdigen Geschehens: Im Rahmen der Reihe „Hammer historische Akzente“ referiert der inzwischen 90-jährige ehemalige Journalist Günter Beaugrand die Geschichte der Pionierzeit eines in der Nachkriegszeit politisch wichtigen Mediums der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN). Unter dem Titel „Zwischen Widerstand und Wiedergutmachung“ publizierte Beaugrand erstmals 2004 seinen „Erfahrungsbericht eines Journalisten aus dem Umfeld der Verfolgten des Naziregimes 1947-1953“, dessen aktuellen Nachdruck er am 22.2. präsentierte. Gebannt lauschte das Publikum seinem spannenden Vortrag, der die Nachkriegsgeschichte lebendig werden ließ und die Zuhörerinnen und -hörer mitnahm in die ersten Jahre der BRD.
Anhand seiner Erfahrungen in der Düsseldorfer Redaktion der „VVN-Nachrichten“ zeichnete Beaugrand ein sehr plastisches Bild von der anfänglichen politischen Aufbruchstimmung jener Zeit, die im Zeichen der Berlin-Blockade und der sich anbahnenden Wiederbewaffnung rasch von den ideologischen Grabenkämpfen des Kalten Krieges abgelöst wurde. Auch der redaktionelle Alltag richtete sich zunehmend an den neuen Konfliktlinien zwischen Ost und West aus – während die Berlin-Blockade 1948/49 noch nicht zum endgültigen Bruch zwischen den kommunistischen und demokratischen Teilen der Redaktion führte, zerbrach diese spätestens an der immer härter geführten Debatte einer Remilitarisierung der BRD, die Anfang der 50er Jahre mit einer Welle der Kommunistenverfolgung einherging.
Neben der in Kooperation mit dem Hammer Geschichtsverein e.V. stattfindenden historischen Veranstaltungsreihe hat die 1993 gegründete Buchhandlung auch im literarischen Bereich einiges zu bieten. So veranstaltet Margret Holota zusammen mit ihrem Team in der 1996 eröffneten Buchhandlung „Akzente“ (Oststraße 13) sowie in der 2013 hinzugekommenen Filiale (Weststraße 11) inzwischen etwa 25 Lesungen pro Jahr. „Initialzündung war die Idee einer Auszubildenden, die Sprecherin beim Radio war und immer phantastische Ideen hatte“, blickt die Inhaberin auf inzwischen mehr als ein Jahrzehnt mit einer stetig wachsenden Zahl teils prominenter Literaturveranstaltungen zurück, zu denen auch „eigene Formate“ wie „literarische Stadtführungen“ oder auch freie erzählerische Vorträge wie beim Hammer „Fabelfrühling“ gehören, der 2018 zum vierten Mal stattfinden soll. Doch auch ‚Promis‘ wie zum 20-jährigen Jubiläum die Berliner Regisseurin und 2001 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis belohnte Autorin Jenny Erpenbeck haben bereits den Weg in die Buchhandlung gefunden, wo bei vollem Haus bis zu 90 Literaturbegeisterte Platz finden. Im vergangenen Jahr eröffnete Margret Holota zudem eine neue Filiale in Beckum (Kreis Warendorf) und blickt optimistisch in die Zukunft des Buches: „Ich bin nicht so fürs Schwarzsehen – erst heute habe ich gelesen, dass der E-Book-Umsatz wieder zurückgegangen ist.“
Info: www.buchhandlungmargretholota.de
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