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Natalia LL, Wanted, 1970 (2012), Installation des Zeitgenössischen Museums Wrocław
Foto Małgorzata Kujda, © MWW

Gegensätze im Dialog

29. April 2016

Kunstvorschau: Fabrizio Plessi, Rita McBride und die Avantgarde von Wroclaw

Die Kunst- und Kulturlandschaft in der Metropolregion Rhein-Ruhr trumpft mit ihrer Vielseitigkeit und lässt auch aktuelle politische Geschehnisse nicht außer Acht. Dabei bedeutet Kunst in dieser Woche vor allem eines: Den Blick über den Tellerrand wagen, das Unbekannte zulassen.  

Das beweist einmal mehr die Kunsthalle Recklinghausen, die im Rahmen der Ruhrfestspiele 2016 den italienischen Künstler Fabrizio Plessi ausstellt. Mit der Frage „Mare Nostrum?“ leiten die Festspiele den Blick der Besucher in Richtung Mittelmeer, das, dem tagespolitischen Geschehen geschuldet, zu einem Synonym für Unruhe geworden ist. Und unruhig ist auch das Element, dem sich der Künstler Plessi verschrieben hat: Schon seit Jahren ist Wasser das Leitmotiv des Norditalieners. Dabei hat es nicht lange gedauert, bis Plessi auch den elementaren Gegenpol Feuer in seine Werke miteinbezog und einen ebenso abstrakten wie konkreten Dialog der Kontraste heraufbeschwor. Beiden Elementen inne ist die stete Veränderung, die sie bedingt. Erfahrbar werden Plessis großformatige Videoinstallationen jedoch erst durch den Raum, der sie beheimatet. Mit seinem künstlerischen Beitrag zur Mittelmeer-Thematik der Festspiele abstrahiert und vergegenwärtigt Plessi das Mare Nostrum wie kein anderer. Die Ausstellung „Fabrizio Plessi – Digital Wall“ startet am 5. Mai.

Seit Jahren tourt Rita McBrides Arena in funktionaler Vielfalt um den Globus, derzeit ist sie im Rahmen der Ausstellung „Rita McBride. Gesellschaft“ in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen. Als Objekt und gleichzeitiger Gebrauchsgegenstand strukturiert sie ihre Umgebung und ordnet sich dieser im selben Moment unter. Auch das interdisziplinäre Kollektiv Discoteca Flaming Star sieht in McBrides Arena sowohl Fluchtpunkt als auch Austragungsort seiner grenzüberschreitenden Performance „Sticky Stage“. In der fremd anmutenden Umgebung der Arena trägt das Ensemble Gedichte, Songs und Melodien vor, deren Wirkung sowohl durch den Raum, als auch durch Träume und die eigene Vorstellungskraft hervorgerufen wird. Intensiv und zeitlos in ihrer Darbietung nimmt die Performance die Nacht in Anspruch – wer innehalten will, ist eingeladen, McBrides Arena in einer weiteren Funktion zu bereichern und in der Kunsthalle zu übernachten. „Sticky Stage“ von Discoteca Flaming Star, 30.4.-1.5., 20-10 Uhr.

Schon seit März lädt das Kunstmuseum Bochum mit einer Sonderausstellung in eine der Kulturhauptstädte 2016 ein. Gemeinsam mit dem Museum für Zeitgenössische Kunst Wroclaw wirft das Bochumer Haus einen Blick auf die sehr aktive Avantgarde der Breslauer Kunstszene zwischen 1960 und 1981: Im damaligen sozialistischen Polen entdeckten Künstler, Theatermacher und Feministinnen ihre eigenen Ausdrucksweisen und schufen bis dato Ungesehenes, ja, im historischen Rückblick beinahe Undenkbares. Freizügige, verstörende Fotografien wechseln sich ab mit Videoinstallationen und futuristischen Objektkompositionen. Bis heute ist der Einfluss dieser knapp zwanzig Jahre dauernden kleinen Revolution in der polnischen Kunstszene spürbar. Die Ausstellung Wilder Westen. Die Geschichte der Avantgarde in Wroclaw ist noch bis zum 8. Mai zu sehen, eine Sonderführung durch die Ausstellung findet am 4. Mai von 18-19 Uhr statt.

 
Fabrizio Plessi – Digital Wall | Kunsthalle Recklinghausen | bis 7.8. | www.kunsthalle-recklinghausen.com

Discoteca Flaming Star – Sticky Stage | Rita McBride. Gesellschaft | Kunsthalle Düsseldorf | 30.4.-1.5., 20-10 Uhr | www.kunsthalle-düsseldorf.de

Wilder Westen. Die Geschichte der Avantgarde in Wroclaw | Kunstmuseum Bochum | noch bis zum 8.5. | Sonderführung am 4.5., 18-19 Uhr | www.kunstmuseumbochum.de

 

Barbara Slotta

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