Ein neues Gang Starr-Album? Nach 16 Jahren? Wie das? Nicht nur haben Guru und DJ Premier vor Ewigkeiten ihr Duo aufgelöst, Ersterer ist auch 2010 gestorben. „One of the best yet“ basiert daher auf älterem Material aus dem Vermächtnis von Guru, das DJ Premier in guter alter Tradition mit seinen typischen, minimalistischen Beats unterlegt hat. Außerdem helfen alte Kollegen wie Q-Tip, Jeru the Damaja, Talib Kweli und einige andere, die goldenen Zeiten des 90er-Jahre-Hip-Hop auferstehen zu lassen. Der Nutzung von Gurus Vermächtnis war ein unschöner Rechtsstreit vorangegangen, der sich auf dem entspannten Album aber nicht als böser Virus eingeschlichen hat (Gang Starr Enterprises). Nicht mit Hip-Hop, aber mit R‘n‘B liebäugeln die Dirty Projectors schon sehr lange. Auf „Sing the Song“ gibt es acht artsy Indie-R‘n‘B-Stücke der Band mit ihren unnachahmlichen Vocal-Arrangements in neuen, bereits live getesteten Arrangements (Domino).
Einmal Katharsis mit Sunn O)))! Im Frühling erschien das neue Album „Life Metal“ des Drone-Duos mit einem abstrakten Cover, jetzt kommt begleitend „Pyroclast“ mit einer ähnlich farbigen Abstraktion als Cover – doch musikalisch verhält es sich genau andersherum. Während Ersteres komponiert erscheint, ist „Pyroclast“ das Ergebnis eines Rituals während der Aufnahmen zu „Life Metal“: Morgens und Abends hat Steve Albini die jeweils 11-minütigen Improvisationen der Band aufgenommen. Das Ergebnis ist roher, grober, grummeliger und auch düsterer (Southern Lord).
Auch Burial lotet die Weiten des Daseins in abstrakten Soundscapes aus. Wenn der Post Dubstep-Produzent nicht mit Beats operiert, überschreiten die Tracks schon mal die Zehn-Minuten-Marke. Es knistert, es dröhnt, als würde man direkt in den Ursprung von Allem blicken – magisch. „Tunes“ versammelt EP-Stücke aus den Jahren 2011 bis 2019 (Hyperdub). Wesentlich irdischer und weltlicher ist „Mogadisco“. Hinter dem Wortspiel verbirgt sich eine Compilation des verdienstvollen Frankfurter Labels Analog Africa, das zwölf Stücke aus Somalia aus den Jahren 1972 bis 1991 versammelt, die Soul, Funk, Disco und sogar Reggae mit Afro Beat und mitunter auch mit Arabesken verbindet.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.
All die Frauen und Prince
Zwei Musikbücher widmen sich Sex, Körper und Gender im Rock ‚n‘ Roll – Popkultur 06/20
Original und Kopie - Fünfmal Pop-Auslese
Pop als Referenzmaschine – Kompakt Disk 08/19
Gegenwart und Vergangenheit
Neue Elektronik und ein Rückblick auf Woodstock – Kompakt Disk 07/19
Krautpop und Krauthop
Glänzender Pop und deutsche Reime – Kompakt Disk 05/19
Retrospektiven in Ton und Wort
1000 Jahre und ein halbes Leben Musik – Kompakt Disk 04/19
Klarer Kurswechsel
Wunderbar verschlungene Bandbiografien – Kompakt Disk 03/19
Zarte Kraft
Neue Musik aus Ghana und Mali und ein Buch über Nico – Kompakt Disk 02/19
Für die Bäume
Musik mit Naturassoziationen – Kompakt Disk 12/18
Zarte Geister und suizidaler Horror
Seelenzustände in Musikform – Kompakt Disk 10/18
Stadtmusik und Waldmusik
Von betörendem Rock und betäubendem Pop – Kompakt Disk 05/18
Sentimentale Jugend
Ambiente Klangwelten, kantiger Pop und ergreifende Vielgestaltigkeit – Kompakt Disk 04/18
Faszination Popstar
Bühnenfiguren zwischen Rap, Rock und Elektronik – Kompakt Disk 01/18
Ohne Grenzen
74. Ausgabe der Konzertreihe Soundtrips NRW – Musik 09/25
Freier Dialog im Depot
Visual Sound Outdoor Festival in der Dortmunder Parzelle – Musik 08/25
Der Sound von Istanbul
Gaye Su Akyol im Landschaftspark Duisburg-Nord – Musik 08/25
Vom Tanzen träumen
Die NRW-Tour der Jazzpianisten Chris Hopkins und Ulf Johansson Werre – Musik 08/25
Das Netz der Menschenliebe
Joan As Police Woman auf dem Haldern Pop Festival – Musik 07/25
Nicht nur für Orgelfans
16. Wuppertaler Musiksommer in der Historischen Stadthalle – Musik 07/25
Klänge der Gegenwart
Konzertreihe mex im Künstlerhaus Dortmund – Musik 07/25
„Jüdische Musik in der Region verankern“
Die Leiterin der Alten Synagoge Essen, Diana Matut, zum Festival jüdischer Musik Tikwah – Interview 07/25
Impossible Dortmund
Wilco im Dortmunder JunkYard – Musik 06/25
Gegen die Stille
Das 54. Moers-Festival – Musik 06/25
Magische Momente
Cat Power im Düsseldorfer Capitol Theater – Musik 06/25
Eine große Ausnahme
Der Pianist Alexandre Kantorow in Wuppertal – Musik 06/25
Lieber ins Meer springen
Slow Leaves im Düsseldorfer Zakk – Musik 05/25