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„Nur ein Tag“
Foto: Lars Heidrich

Fliege auf der Überholspur

25. Januar 2018

„Nur ein Tag“ in Moers – Theater Ruhr 02/18

Klar, der Fuchs will immer Hähnchen mit Pommes und das fette Schwein die Vorgärten umgraben. Doch was passiert, wenn die beiden Spontis plötzlich vor einer süßen Eintagsfliege stehen? Leben und sterben lassen, oder doch mal schauen was geht? Die grandiosen Drei einigen sich auf „Wer nur einen Tag hat, der braucht das ganze Glück in 24 Stunden!“ und legen los. Fuchs (Patrick Dollas) und Wildschwein (Matthias Heße) täuschen dafür die Eintagsfliege (Lena Entezami), gaukeln ihr vor, dass sie eine Maifliege im Januar ist und der Schlaumeier Reinecke den letzten Tag seines Lebens vor sich hat. Diesen Plot von Martin Baltscheits Theaterstück „Nur ein Tag“ für alle ab fünf Jahren inszeniert Ulrich Greb nicht im Moerser Schlosstheater, sondern im kleinen katholischen Jugendheim St. Barbara in Meerbeck, wo ein schmaler Saal zum grünen Wald-Auditorium wird, die Kinder rechts und links sitzen und mitfiebern, ob die beiden Tiere denn auch ihr Versprechen gegenüber dem Insekt halten können.

Schon die Kostüme von Elisabeth Weiss sind ein Kracher, irgendwo zwischen Kapuzen-Rock-n-Roll und rotem Peter Pan, mit Raubtiergebiss als Halskette und einer Eintagsfliege aus dem Ballett-Varieté. Mitten im Wald wird Mathe gelernt, geschaukelt und geheiratet, immer begleitet auf der Bühne von der knöttrigen Trompete von Markus Türk, der irgendwann gnadenlos die letzten Minuten runterzählt. Baltscheit verbindet im Stück überaus geschickt und kindgerecht das Leben mit dem Sterben, die Kinder erfahren viel über Freundschaft und den Mut, auch schwierige Situationen zu meistern. Man siehe, wenn der Fuchs sich beim letzten Hühnerdiebstahl ziemlich am Elektrozaun verbrennt und das Wildschwein vom Fliegenmädchen einen Korb bekommt. Am Ende helfen alle beim Einschlafen, noch einmal leise das „Abendlied“ von Hanns Dieter Hüsch und dann kommt nur noch das Warten auf die nächsten Eintagsfliegen, deren Eier haufenweise als Luftballons von der Decke purzeln, die Hoffnung hat wieder Oberwasser und die kleinen Mädchen alle Hände voll runtergefallener Glitzerpailletten. Schade, dass diese Inszenierung nur bis März und nicht als Einjahres-Stück laufen kann.

„Nur ein Tag“ | R: Ulrich Greb | 6., 23.2., 1.3. je 9 u. 11 Uhr | Jugendheim St. Barbara | 02841 883 41 12

PETER ORTMANN

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