
John Wick: Kapitel 4
USA 2023, Laufzeit: 169 Min., FSK 18
Regie: Chad Stahelski
Darsteller: Keanu Reeves, Donnie Yen, Bill Skarsgård
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Atemberaubendes, brachiales Actionkino
Duell
„John Wick: Kapitel 4“ von Chad Stahelski
Atemlos! Nachdem John Wick unsanft aus dem Ruhestand geholt wurde, als man ihm 2014 den Ford Mustang geklaut und den Hundewelpen, das Vermächtnis seiner verstorbenen Frau, getötet hatte, ist er erst auf der Jagd, dann auf der Flucht – und inzwischen konstant auf der Flucht nach vorn. Stoisch, wortkarg, wehrfähig. Ein Getriebener Ex-Killer, der nach seinem Ausstand mehr Gegner getötet hat als je zuvor. Das darf zumindest vermutet werden, bis ein Prequel uns vom Gegenteil überzeugt: Schon nach Kapitel 3 verbucht Wick knapp 300 Kills. Kapitel 4 hält die bewährte Gangart bei, und irgendjemand wird auch diesmal für uns mitzählen.
"John Wick" ist ein Phänomen. Ein Franchise, das mit seiner brachialen, kompromisslosen Action den Fans regelmäßig ein irres Dauergrinsen in die Gesichter tackert. Kult. Ein Rache-Epos, archaisch, grotesk, witzig. Das Leone und Kurosawa als Vorbilder nennt und zugleich seinesgleichen sucht. Ignoriert man die jugendfreien Agentenkoryphäen James Bond und Ethan Hunt, bildet John Wick mit vier Streifen in neun Jahren den derzeit letzten konstanten Actionhelden. Ein Franchise, das Keanu Reeves, inzwischen 58, noch einmal unerwartete Aufmerksamkeit beschert. Und sichtlich Spaß, sei es mit Handkante, Gun Fu oder hinterm Steuer.
Nachdem Kapitel 3 etwas lahmte, bildet das neue Kapitel den großen Wurf. Auch wenn die Story so stringent bleibt wie die Flugbahn eines Projektils, ist und bleibt das Gesamtkonzept bis heute zu gut für ein B-Movie: Zu beeindruckend und originell die Kampfchoreos von Regisseur Chad Stahelski, zu hoch der Adrenalinspiegel, zu opulent das Setdesign, zu prominent das Cast. Neben Reeves bilden Ian McShane, Laurence Fishburne und Lance Reddick (1962-2923) die Konstanten, während uns von Film zu Film Mikael Nyqvist, Willem Dafoe, Franco Nero, Peter Stormare, Halle Berry oder Anjelica Huston über den Weg laufen. Drumherum treibende Riffs und Beats von Tyler Bates und saftig opulente Kulissen.
Zur Story: Noch immer ist die Kammer ihrem abtrünnigen Ex-Angestellten auf den Fersen. Nun will der aufstrebende Kammerjäger Marquis de Gramont (Bill Skarsgård, „Es“) John Wick endgültig den Garaus machen: Er plant nicht nur, den Mann zu vernichten, sondern will gleich die ganze Idee, den Mythos von John Wick auslöschen. So rückt er Winston (McShane) und Charon (Reddick) ebenso auf die Pelle wie dem Bowery King (Fishburne). Und er erhöht, natürlich, erneut das Kopfgeld auf den gut gekleideten Rebellen.
Besondere hervor tun sich zwei Killer, die auf John Wick losgelassen werden: Zum einen Tracker (Shamier Anderson), ein Spürhund mit Kampfhund, der Wick anfangs gar zur Seite steht, weil ihm das Kopfgeld noch zu niedrig ist. Und Caine (Donnie Yen, „Hero“, „Ip Man“), ein blinder Samurai und Freund von Wick, der vom Marquis um das Leben seiner Tochter erpresst wird. Wick selbst strebt im Gegenzug ein direktes Duell mit dem Marquis an. Dafür muss der Verstoßene allerdings wieder Mitglied der Familie werden. Der Weg führt ihn über Paris und Japan nach Berlin.
Es ist ein Fest: Anders als im letzten Kapitel, sind die Kampfchoreos nicht so redundant, dass sie gar ermüden. Von Zatōichi über Donkey Kong bis „Guardians of the Galaxy“ wird das Opus des inspirierten Zitierens nicht müde. Als Gegner am Rande bekommt es Wick diesmal mit kolossalen, kompakten Kampfhünen in Maßanzügen zu tun, an anderer Stelle bebildern spektakuläre Top Shots einen Hauskampf. Und der Auftritt von Kampfsportlegende Scott Adkins („Universal Soldier – Day of Reckoning“, „Ninja – Pfad der Rache“) als goldzahnbestückter Killa ist schlichtweg zum Brüllen.
Nicht zuletzt geht diese 169-minütige Episode seinem Helden auch sinnierend auf den Grund. Diesem Mann, der sich heillos verirrt hat. Der sich fragen muss, ob er tötet, um zu leben oder nur noch lebt, um zu töten. Ein Verdammter. Ein Geist. John Wick. Liebender Ehemann.

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