
Adams Acht
Deutschland, Slowakei 2026, Laufzeit: 124 Min., FSK 6
Regie: Hannu Salonen
Darsteller: Oliver Masucci, Felix Kammerer, Heino Ferch
>> www.adamsacht.de/de
Underdog-Sportdrama nach einer wahren Begebenheit
Gemeinsam zum Gold
„Adams Acht” von Hannu Salonen
Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass sie sich kaum jemand ausdenken kann. So auch diese hier, die von dem Sieg der deutschen Achter-Rudermannschaft bei den Olympischen Spielen von 1960 in Rom erzählt. Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland schon seit über zehn Jahren geteilt. Man kollaborierte nicht mit dem Klassenfeind. Doch genau das hat in dieser Geschichte zum Erfolg geführt – die Zusammenarbeit von Ruderern aus Ost und West, unter der Ägide des Lehrers und Ex-Boxers Karl Adam (Oliver Masucci). Im Zweiten Weltkrieg trainierte er noch junge Boxer, die kurz vor Kriegsende an die Front geschickt wurden. Eine Vergangenheit, die ihn noch immer nicht loslässt. Nach dem Krieg setzt er auf Sport, um einer Nachkriegsgeneration ein Ventil für ihre Wut und Trauer zu geben. Als sein Antrag auf Finanzierung eines Box-Clubs vom Ratzeburger Stadtrat abgelehnt wird, beginnt Adam ohne jede Erfahrung, eine kleine Gruppe im Rudern zu coachen, darunter Ari (Felix Kammerer), der regelmäßig über den See in die DDR schwimmt, um seine Freundin Ulla (Svenja Jung) zu sehen.
In den Trainingsrunden und Wettbewerben zeigt Salonen in spannenden Bildern von oben, von der Seite und von unten, wie die Paddel durchs Wasser pflügen, die Boote durchs Wasser flitzen, das Wasser spritzt und sich die kräftigen Oberschenkel der Ruderer im Rhythmus bewegen. Karim Sebastian Elias‘ Soundtrack unterstreicht die Dynamik der Bilder. Die meisten Szenen spielen auf dem Wasser – es wird gerudert, gerudert und nochmal gerudert – doch der Film wird selbst für die, die keine Fans des Rudersports sind, nie langweilig. Denn Salonen integriert darin die Geschichte des Kriegs und zeichnet auch ein Bild vom Nachkriegsdeutschland. Sowohl von der BRD als auch von der DDR. Ari, der an den Traum eines neuen, besseren Deutschenlands im Osten glaubt, muss von Ulla erfahren, dass die DDR sich immer weiter von ihren Idealen entfernt. In einer Szene wird Ulla von einer Stasi-Agentin aufgesucht, die ihr nahelegt, Ari zu bespitzeln. Auch der sich anbahnende Mauerbau wird thematisiert, als Ulla vom elterlichen Hof mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Tochter zwangsumgesiedelt wird. Und dann sind da noch BRD-Sportfunktionäre mit SS-Vergangenheit, die immer noch in Amt und Würde stehen.
Trotz alledem gelingt Adam für Olympia eine Mannschaft aus Ost und West zusammenzustellen. Damit will er beweisen, dass Vertrauen, Disziplin, Gemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten an einem großen Traum zum Ziel führen. Bei der Siegerehrung wurde in Rom damals Beethovens Neunte gespielt, da sich die zwei deutschen Staaten nicht darüber einigen konnten, wessen Nationalhymne im Falle eines Podestplatzes ertönen sollte. Es war leider das einzige Mal in der Geschichte Doppeldeutschlands, dass Sportler gemeinsam, statt als Rivalen auftraten. Wäre das öfters passiert, wäre der Riss zwischen Ost und West vielleicht nie so groß geworden, wie er heute ist.
(Tina Adomako)

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