Was war das für ein Sommer! Temperaturen um die 30 Grad und mehr. Trockenes Wetter. Nie hätte ich gedacht, dass ich mir im Sommer Regen wünschen würde. Jetzt ist er endlich da, der Regen. Und zum ersten Mal jammere ich nicht, wenn das ganze Wochenende verregnet ist. Worüber ich aber heulen könnte, sind die Wahlausgänge der jüngsten Landtagswahlen. Ich kann es nicht fassen, dass so viele Menschen es offensichtlich völlig in Ordnung finden, eine Nazi-Partei zu wählen. Halten sie so wenig von unserer Demokratie? Es ist gerade mal zwei Jahre her, da wurde mit einem großen Fest in Berlin 75 Jahre Grundgesetz gefeiert.„Das Grundgesetz ist eine freiheitliche Verfassung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, seine Würde, seine Rechte, die universelle Gleichheit aller vor dem Gesetz,“sagte Nancy Faser, damalige Bundesinnenministerin in ihrer Rede. Wie kann es sein, dass fast die Hälfte der Wahlberechtigten diese Werte nicht mehr teilt? Bei Verfechter:innen demokratischer Werte macht sich Ratlosigkeit und Ohnmacht breit. Wie kann es sein? Diese Frage zieht sich durch so viele Bereiche. Wie kann es sein, dass wir der KI das Feld überlassen? Wie kann es sein, dass in der Ukraine, in Gaza, in Iran, in Sudan immer noch Kriege das Leben der Menschen bedrohen, obwohl zig Waffenstillstände und Friedensabkommen unterzeichnet worden sind?
In der aktuellen Situation, in der Krisen und Katastrophen so häufig auftreten, dass wir uns in einem ständigen Zustand der Orientierungslosigkeit und des Schocks befinden, behandeln viele Filme die dringenden Fragen unserer Zeit. In der Verfilmung von Juli Zehs „Corpus Delicti“geht es um staatliche Kontrolle, politische Propaganda, und um das Einschränken von Freiheit. Aaron Sorkins „TheSocial Reckoning“befasst sich, wie zuvor „The Social Network“, mit Facebook.Diesmal allerdings damit, wie der Tech-Konzern seine globale Macht ausnutzt und wissentlich gesellschaftlichen Schaden zwecks Profitmaximierung in Kauf nimmt. Ali Tamins Drama „Noah“ wiederum erzählt eine sehr realistische Geschichte von Rassismus, Polizeigewalt und wie Menschen mit Migrationsbiografie permanent um Zugehörigkeit in Deutschland kämpfen müssen. Ein ähnliches Thema greift auch die Doku „Wohin mit mir?“ auf. Darin begleitet Martin Menné zwei jugendliche Geflüchtete bei ihren Bemühungen, in Deutschland anzukommen. Der Film zeigt ihr Leben zwischen Asylverfahren, drohender Abschiebung, familiärem Druck, gesellschaftlicher Ablehnung und dem Wunsch nach Normalität und Selbstbestimmung.
Zum Lachen gibt es derzeit wenig, auch im Kino. Von den ca. 50 Filmen, die im Oktober starten, sind, Kinderfilme ausgenommen, nur knapp 5 dem humoristischen Genre zuzuordnen, darunter ein Wiedersehen mit Sacha Baron Cohens KultfigurAli G. So wenige Komödien gab es selten in einem Kinomonat. Indem Filmemacher:innen offen adressieren, was schiefläuft und Geschichten erzählen, die die Probleme unserer Zeit sichtbar machen, tragen sie dazu bei, unser Bewusstsein zu steigern, was wiederum dazu führen kann, dass wir von Zuschauenden zu Handelnden werden.
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