Nicht mal der Garten scheint heutzutage das zu sein, was dieser grüne Fleck einmal war: ein Rückzugsraum, eine Oase, oder wie beim Garten Eden eine Chiffre für das verpuffte Paradies. Die Performance-Gruppe Fronte Vacuo entführt die Zuschauer in ihrem neuen Projekt zwar in ein Environment, das Pflanzen und Pilze zieren, doch dieses Ökosystem beherbergt ebenso synthetische Elemente, KI-Algorithmen und menschliche Performer.
Mit dem Stück „[ΣXHALE]“, der mittlerweile dritten Staffel des Langzeitprojekts „Humane Methods“, widmet sich die Gruppe erneut einem komplexen Gegenstand: Es geht um die Verflechtungen von Menschen, Natur und den Algorithmen, die längst unseren Alltag prägen, ohne einen Fortschritt einzuläuten. Fronte Vacuo zielen mit ihrer „Live-Kunst für eine Welt am Rande des Zusammenbruchs“, so der Untertitel, darauf, einen kritischen Blick auf eine Welt zu eröffnen, in der die Umweltzerstörung und die technologische Entwicklung zu einer omnipräsenten Struktur der Gewalt verschmelzen.
Marco Donnarumma, Margherita Pevere und Andrea Familari schlossen sich bereits im Jahr 2019 zu einer interdisziplinären Gruppe zusammen, die Elemente aus ihren bisherigen Kunsttätigkeiten zusammenfügten: Bildende Kunst, Bio Art und Performances. Die Gründung der Gruppe und ihre Entwicklung von „Humane Methods“ war eine Reaktion auf eine Interdependenz von Klimazerstörung, gesellschaftlicher Polarisierung und technologischem Fortschritt.
Bereits die bisherigen Stücke dieses Langzeitprojekts glichen sozialen Experimenten, rituellen und iterativen Choreografien. In „ΔNFANG“, der letzten Produktion von Fronte Vacuo, betraten die Zuschauer eine Gartenlandschaft, die vom Ökozid und der Künstlichen Intelligenz zeugte. Die dort lebende Gemeinschaft bestand eher aus halbmenschlichen Figuren, angezapft an die Algorithmen.
Dass die Performenden sich nackt zwischen Sträuchern und Schläuchen räkelten oder Kunstblut über den entblößten Leib lief, evozierte die nackte Gewalt eines posthumanen Anthropozäns, die Fronte Vacuo kritisch darzustellen beabsichtigte. Im Grunde setzt die Gruppe mit dem neuen Stück da an, denn die Serien sind als Schleifen konzipiert, gleich einem Wurzelstock, der sich ausbreitet, etwa im Garten.
Humane Methods [ΣXHALE] | R: Marco Donnarumma | 19.2. 16, 20 Uhr, 20.2. 16, 20 Uhr | tanzhaus nrw Düsseldorf | 0211 17 27 00
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