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Ingeborg Lüscher, Das Bernsteinzimmer, 2003, Installation, 9000 Stück SOLE-Seife, 400×400 cm

Vom Zeigen und Verschwinden

26. Januar 2022

Sieben Künstlerinnen im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 01/22

Ingeborg Lüschers Version des historischen Bernsteinzimmers ist eine feurige Wucht. Die Künstlerin, der die Situation Kunst/MuT gerade eine Einzelschau widmet, konzipierte von 2001 bis 2004 einen orange leuchtenden Raum im Raum, 4 x 4 Meter groß, mit Wänden aus 9.000 Seifenstücken. Damit schuf sie nicht nur ein etwas subversives Pendant zum verschollenen edlen Original, sondern den Anlass für die erste Kooperation zwischen MuT und Kunstmuseum. In ihrer ersten Ausstellung für Bochum versammelt die neue Museumsleiterin Noor Mertens rund um Lüschers Kubus Werke von sechs international renommierten Künstlerinnen. Sieben auf einen Streich – ein starker Auftakt in neuem Stil: assoziativ ausgewählt und arrangiert, ohne gemeinsames Thema, ohne viele Worte.

Die 20 meist mehrteiligen Werke ranken sich um Körperlichkeit, Raum- und Zeiterfahrung, zeigen rätselhafte Handlungen, Ornamente und Objekte zwischen Spiel und Gewalt. Verbindungen gibt es dennoch. Neben dem Bernsteinzimmer richtet Silvia Bächli ihr „Rotes Zimmer“ aus dezenten Linienrastergeflechten auf Papier ein und stellt Tischvitrinen mit Zeichnungen von Körperteilen dazu. Zofia Kuliks ornamentale Fotomontagen prangen neben Alexandra Birckensbrutalen Hängeobjekten an Fleischerhaken. Auf dem Boden darunter zieht ein Rasenroboter seine Kreise.

Die FranzösinLaure Prouvost steuert ihre Videoadaption von Kafkas „Verwandlung“ bei, basierend auf der abstrusen Übersetzung eines Engländers mit miesen Deutschkenntnissen. Verständlich, dass bei der Übertragung viel verloren ging. Chantal Akermans Film „Saute maville“ hat hingegen einen klaren Plot: Munter trällernd zerlegt eine Frau ihre Küche, reißt Töpfe, Putz- und Nahrungsmittel aus den Schränken und jagt alles zum Schluss mit Gas in die Luft.

Die Schau hat Power, weil der Parcours die Spannung hält und vieles völlig offenlässt, darunter die titelgebende Frage: Warum ist nicht alles schon verschwunden? Joëlle Tuerlinckx aus Brüssel beantwortet dies auf ihre Weise, indem sie in jede ihrer Präsentationen Relikte ihrer vergangenen Ausstellungen einbindet: Skizzen, Modelle, Wandverkleidung, kreisrunde Papp- und Holzausschnitte. Erst, wenn sie die Papierrelikte als Buch final archiviert, ist das, wie sie sagt, das „end of the story“.

Warum ist nicht alles schon verschwunden? | bis 13.3.22 | Kunstmuseum Bochum | 0234 91042 30

Claudia Heinrich

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