Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28

12.571 Beiträge zu
3.796 Filmen im Forum

Ingeborg Lüscher, Das Bernsteinzimmer, 2003, Installation, 9000 Stück SOLE-Seife, 400×400 cm

Vom Zeigen und Verschwinden

26. Januar 2022

Sieben Künstlerinnen im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 01/22

Ingeborg Lüschers Version des historischen Bernsteinzimmers ist eine feurige Wucht. Die Künstlerin, der die Situation Kunst/MuT gerade eine Einzelschau widmet, konzipierte von 2001 bis 2004 einen orange leuchtenden Raum im Raum, 4 x 4 Meter groß, mit Wänden aus 9.000 Seifenstücken. Damit schuf sie nicht nur ein etwas subversives Pendant zum verschollenen edlen Original, sondern den Anlass für die erste Kooperation zwischen MuT und Kunstmuseum. In ihrer ersten Ausstellung für Bochum versammelt die neue Museumsleiterin Noor Mertens rund um Lüschers Kubus Werke von sechs international renommierten Künstlerinnen. Sieben auf einen Streich – ein starker Auftakt in neuem Stil: assoziativ ausgewählt und arrangiert, ohne gemeinsames Thema, ohne viele Worte.

Die 20 meist mehrteiligen Werke ranken sich um Körperlichkeit, Raum- und Zeiterfahrung, zeigen rätselhafte Handlungen, Ornamente und Objekte zwischen Spiel und Gewalt. Verbindungen gibt es dennoch. Neben dem Bernsteinzimmer richtet Silvia Bächli ihr „Rotes Zimmer“ aus dezenten Linienrastergeflechten auf Papier ein und stellt Tischvitrinen mit Zeichnungen von Körperteilen dazu. Zofia Kuliks ornamentale Fotomontagen prangen neben Alexandra Birckensbrutalen Hängeobjekten an Fleischerhaken. Auf dem Boden darunter zieht ein Rasenroboter seine Kreise.

Die FranzösinLaure Prouvost steuert ihre Videoadaption von Kafkas „Verwandlung“ bei, basierend auf der abstrusen Übersetzung eines Engländers mit miesen Deutschkenntnissen. Verständlich, dass bei der Übertragung viel verloren ging. Chantal Akermans Film „Saute maville“ hat hingegen einen klaren Plot: Munter trällernd zerlegt eine Frau ihre Küche, reißt Töpfe, Putz- und Nahrungsmittel aus den Schränken und jagt alles zum Schluss mit Gas in die Luft.

Die Schau hat Power, weil der Parcours die Spannung hält und vieles völlig offenlässt, darunter die titelgebende Frage: Warum ist nicht alles schon verschwunden? Joëlle Tuerlinckx aus Brüssel beantwortet dies auf ihre Weise, indem sie in jede ihrer Präsentationen Relikte ihrer vergangenen Ausstellungen einbindet: Skizzen, Modelle, Wandverkleidung, kreisrunde Papp- und Holzausschnitte. Erst, wenn sie die Papierrelikte als Buch final archiviert, ist das, wie sie sagt, das „end of the story“.

Warum ist nicht alles schon verschwunden? | bis 13.3.22 | Kunstmuseum Bochum | 0234 91042 30

Claudia Heinrich

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Twisters

Lesen Sie dazu auch:

Ordnung aus dem Chaos
Theresa Weber im Kunstmuseum Bochum

„Eine von Verflechtungen und Austausch geprägte Welt“
Kuratorin Julia Lerch Zajaczkowska über Theresa Webers „Chaosmos“ im Kunstmuseum Bochum – Sammlung 06/24

Multikulturell gemeinsam
Kemnade International im Kunstmuseum

„Die Realitäten haben sich verändert“
Die Kuratorinnen Özlem Arslan und Eva Busch über die Ausstellung zur Kemnade International in Bochum – Sammlung 04/24

Räume beleben
„Our house is a very very very fine house“ im Kunstmuseum Bochum – kunst & gut 01/24

„Toll für die Stadt, dass wir dieses Museumsgebäude haben“
Kuratorin Julia Lerch Zajączkowska über die Jubiläumsausstellung des Kunstmuseums Bochum – Sammlung 11/23

Alle mal spielen!
Takako im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 05/23

Das Rätsel des roten Steins
Inventur im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 02/23

Kulissen und Kojoten
Ian Page im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 10/22

Brauchtum im 21. Jahrhundert
„Von den Vorfahren geleckt“ im Bochumer Kunstmuseum – Kunstwandel 04/22

Eine unerwartete Erbschaft
„Kunst lesen“ in Bochum

„Er war fürchterlich enttäuscht von Picasso“
Sepp Hiekisch-Picard über die Ausstellung zu Anselme Boix-Vives – Sammlung 09/21

RuhrKunst.

Hier erscheint die Aufforderung!