Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt „Das ist doch keine Kunst!“ und tut das dann tatsächlich auch nicht. Drei Zeichner stellen aus: Ralph Ruthe, Joscha Sauer und Felix Görmann (Flix). O.k. sie sind nicht ganz unbekannt, o.k. sie haben das Genre in vielerlei Hinsicht erweitert, o.k. sie sind gut, kriegen goldene Barockrahmen um die Bilder. Aber Kunst? Nee. Diese Kritzler sind genauso wenig Künstler wie beispielsweise Andy Warhol. Der hat doch auch nur fremde Fotos auf Leinwand gedruckt. Oder waren das T-Shirts. Oder war das schon Keith Haring? Oder warum sollen das nur 641 Blätter im Museum sein, da hat doch wieder keiner die herumliegenden Bildbände mitgezählt?
Alle drei haben schon früh einen eigenen Stil entwickelt, sehen sich auch nicht als Konkurrenten. Immerhin haben sie in Oberhausen ja auch drei Etagen Platz. Vieles stammt, und das ist der eigentliche Reiz, aus privaten Archiven oder gleich von den Eltern, die alte Kinderzeichnungen aufbewahrt haben. Heute ruhen die in Vitrinen. Wenn Lemminge die Polizei rufen, weil sie jemand von der Klippe schubsen will oder Gevatter Tod nach Pfefferminz schmeckt, dann ist das Joscha Sauer, die gleiche Figur kommt auch bei Ralph Ruthe häufig vor, aber auch gern mal Teufelchen. Flix geht einen anderen Weg und zeichnet ganze Geschichten für Comicbücher, gern auch Klassiker wie „Faust 1“ oder „Don Quijote“.
Das einzige Manko in Oberhausen ist die Zeit. Wenn man sich wirklich durch die Kunst der Comics arbeiten will, sollte man schon einen halben Tag einplanen. Mich faszinieren da immer die Originalzeichnungen, die oft im Druck noch mal eine andere Optik bekommen, aber für die Zeichner nicht das Endprodukt darstellen. Das Einzige, was zählt, ist die fertig gedruckte Arbeit in der Zeitung oder im Bildband. „Kann man davon leben?“, fragt der Tod bei Ralph Ruthe. Diese Frage hat in den drei Etagen keine Bedeutung. Vielleicht online oder bei den kleinen dreidimensionalen Devotionalien. Ja ist das nicht alles Manga?
„Das ist doch keine Kunst!“ | bis 17.1. | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 412 49 13
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