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Rudolf Holtappel, Oberhausen vor Zeche Sterkrade, 1960
© Rudolf Holtappel, Nachlass Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Flaneure vor Industriekulisse

15. Juli 2020

Rudolf Holtappel in Oberhausen – Ruhrkunst 07/20

Ein älteres Ehepaar spaziert der Wintersonne entgegen, im Sonntagsstaat – vor dampfender Industriekulisse. Lachende Kinder spielen im Schatten martialischer Stahlwerke. Einkaufsgedränge in Innenstädten, Kopftuch begegnet Hotpants, Schlachten an Kaufhaus-Wühltischen, als „Sale“ noch „Schlussverkauf“ hieß und jeder Pfennig zählte … Typisch Holtappel! Die Motive des Oberhausener Fotografen prägen seit den 1950er Jahren das Bild vom Ruhrgebietsalltag – in Schwarz-weiß, feinem Humor und Sympathie für die Menschen hier.

Rudolf Holtappel (1923-2013) hinterließ ein riesiges Œuvre, rund 360.000 Negative, tausende Abzüge und Dias aus über 60 Schaffensjahren, das die Stadt Oberhausen aufkaufte und der Ludwiggalerie zur Archivierung und Aufbereitung übergab. Die große Werkschau präsentiert nun Holtappels Arbeit anhand von über 200 thematisch arrangierten Aufnahmen (dazu Kontaktbögen, Fotobücher, Kameras, Fotolabor) in all ihren Facetten: Holtappel als Ruhrgebietschronist, der 1960-75 im Verlagsauftrag für 13 Bildbände die Städte porträtierte. Als Theaterfotograf, der Programmhefte des Theaters Oberhausen mit dynamischen Szenenfotos bebilderte. Als prämierter Industriefotograf, der neben Produkt und Firma auch Mitarbeiter und Besucher in Szene setzte. Und, speziell im Auftrag von Karstadt, als begnadeter Warenhausfotograf. Holtappel sah sich als Fotojournalist, der Aufmacherbilder fabrizierte, „nichts für die Wand“. Zu musealen Ehren kam er dennoch im hohen Alter, als man seine Fotografien als atmosphärische erzählerische Zeitzeugnisse wiederentdeckte. Seine Werkschau hätte ihm gefallen.

Rudolf Holtappel. Die Zukunft hat schon begonnen. Ruhrgebietschronist, Theaterdokumentarist, Warenhausfotograf | bis 6.9. | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 412 49 28

Claudia Heinrich

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