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01. Juni 2013

„Dreigroschenoper“ in Hagen – Theater Ruhr 06/13

Das kreative Chaos war groß und das Desaster bereits absehbar, doch dann landeten Bert Brecht und Komponist Kurt Weill mit ihrer satirischen „Ludenoper“ im Spätsommer 1928 einen Coup, der unerwartet hohe Wellen schlug. Auch Hagen wurde seinerzeit davon erfasst und brachte die neuartige Schauspielrevue auf die Bühne seines Theaters. Doch während sich die „Dreigroschenoper“ nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Dauerbrenner auf deutschen Bühnen entwickelte, blieb das Stück in Hagen mehr als 80 Jahre lang unbeachtet. Nun hat es Regisseur Thomas Weber-Schallauer wieder auf die Bühne gebracht.

Ganz grundlos war die lange Abwesenheit vom Spielplan sicher nicht. Die Dreigroschenoper wurde für singende Schauspieler geschrieben, nicht für Opernsänger. Opernhäuser tun sich entsprechend schwer damit. Auch das späte Hagener Revival wirkt nun ein wenig kurios. Ist das Publikum längst daran gewöhnt, dass sich Schauspielregisseure wenig zimperlich über das Original hermachen, gehen Weber-Schallauer und der junge Dirigent Alexander Ruef mit so opernhaftem Respekt daran, als gelte es, eine Ausgrabung mit wissenschaftlicher Akribie zu rekonstruieren. Mitunter hat das durchaus seinen Reiz. So erklingt im dritten Akt etwa eine Arie der Lucy, die hörbar aus dem Rahmen fällt, und die man normalerweise auch nicht zu hören bekommt. Brecht und Weill hatten sie mitsamt der gesamten Szene noch vor der Uraufführung gestrichen.

Allerdings haben es sich Regisseur und Dirigent zur Aufgabe gemacht, eine ultimativ vollständige Fassung zur Aufführung zu bringen – und sind damit übers Ziel hinausgeschossen. Fast zwei Stunden dauert allein der erste Teil dieses Theaterabends und ist damit einfach zu lang. Die eine oder andere Kürzung hätte hier Not getan. Ansonsten beschränkt sich Weber-Schallauer darauf, die Vorlage handwerklich gut und optisch wirkungsvoll im 20er Jahre-Look (Ausstattung: Jan Bammes) umzusetzen. Den Grenzgang zum Schauspiel meistern die Opernsänger durchaus gut. Bei den Songs schlägt die Opernausbildung allerdings bei allen Sängern früher oder später durch. Technisch klingt das zweifellos besser als bei den meisten Schauspiel-Produktionen, stilistisch ist es aber auch oft eher unpassend. In Brechts „Ludenoper“ geht es bewusst schmutzig zu, und so darf es auch ruhig klingen.

„Dreigroschenoper“ I Mi 19.6.19.30 Uhr I Theater Hagen I 02331 207 32 18

KARSTEN MARK

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