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Siedlung Bottrop-Ebel, 1976
Foto: Michael Wolf/Fotoarchiv Ruhr Museum

Mensch, Tier, Ruhrrevier

11. September 2019

Eine spezielle Beziehungsgeschichte in Essen – Ruhrkunst 09/19

Tiere sind ein dankbares Thema. Kaum einer, der keine Meinung oder keine wie auch immer geartete Beziehung zu Haus- und Wildtieren hat. Daher ist es kein Wunder, dass das Ruhr Museum seine neue Reihe zu populären Themen der Ruhrgebietsgeschichte mit der kleinen aber feinen Ausstellung „Mensch und Tier im Revier“ startet. Im Verhältnis Mensch/Tier vollzieht sich auch hier in der Region gerade ein Wandel.

Unsere Mitlebewesen, einst gejagt, gefangen, gegessen, ausgestellt, gezüchtet oder als billige Arbeitskraft auf Feldern und unter Tage ausgebeutet, werden vom Objekt zum Subjekt. Statt Fleisch ist Tierwohl in aller Munde. Mit kulturwissenschaftlichem Blick und nach ausgiebiger Recherche in seinen geologischen, archäologischen und historischen Sammlungen hat das Museumsteam über 100 Exponate und zahlreiche Fotografien zusammengestellt, die beispielhaft Tier-Revier-Geschichte erzählen.

Zwei Bildergalerien umrahmen die Ausstellung. Am Eingang der Galerie auf der 21-Meter-Ebene begrüßt eine Diaschau die Besucher mit historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen – ein Wiedersehen mit Grubenpferd, Brieftaube und Zuchtkarnickel. An der hinteren Wand locken großformatige Frontalporträts von heute hier lebenden Wildtieren. Zu kuscheln gibt’s nichts, nur zu gucken: Bis auf ein Holzschaukelpferd und den ausgestopften Braunbär Max aus dem Bochumer Tierpark steht alles in Glasvitrinen, thematisch gruppiert in fünf Abteilungen – Tiere töten, nutzen, lieben, ordnen und deuten – mit mehreren Unterthemen und Aspekten querbeet, von „Jagd – Schlachtung – Vernichtung“ bis „Alltag – Glaube – Politik“.

Klingt gähnend akademisch, ist es aber nicht, denn die Auswahl fetzt. Jedes Objekt beleuchtet eine spezielle Variante der Mensch-Tier-Beziehung. Hier steht ein Elefantenfuß-Papierkorb neben einer „Moorhuhn“-DVD, dort die Urne von Fußball-WM-Orakelkrake Paul zwischen einer abgeschnittenen Hasenpfote und dem entzückenden Video der jährlichen Dackel-Wallfahrt nach Kevelaer. Charmant an der Ausstellung ist, dass die Zusammenstellung der Exponate ein echtes Wechselbad der Gefühle und Erinnerungen auslöst und jede Menge Kommunikationsanlässe schafft.

Mensch und Tier im Revier | bis 25.2. | Ruhr Museum Essen | 0201 24 68 14 44

Claudia Heinrich

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