Struth, Struth, Struth und kein Ende in Sicht. Der Fotograf, der in Düsseldorf bei den Bechers studierte, der in New York lebt und der eine Professur in der Landeshauptstadt absagte, ist in Nordrhein-Westfalen seit Jahren zu Recht allgegenwärtig. Gerade ging im Düsseldorfer NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft die Ausstellung „Der Rote Bulli“ zu Ende, in der untersucht wurde, inwieweit die erste Generation der von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie geleiteten Fotoklasse sich von US-amerikanischen Sujets und Bildkonzepten der 1970er und 1980er Jahre inspirieren ließ, da kündigt sich ein paar hundert Meter weiter in der Kunsthalle K20 mit „Thomas Struth – Fotografien 1978-2010“ bereits die nächste deutsch-amerikanische Bilder-Orgie an.
Der erste Blick wandert durch einen schwarzen Raum. Wände wie Schultafeln, die zum Kritzeln anregen oder auch zum Wegwischen. Dan Perjovschis „Chalk Reality2“ (2010) hat einen Leitspruch: „More Content – Less Chalk” (mehr Inhalt, weniger Kreide), und genau dies wird hier durch zugefügte Kritzeleien und Wischungen konterkariert. Aber der Rumäne setzt sich auch kritisch mit dem Kunstmarkt auseinander, als Bezug zur Konsumorientierung des Kapitalismus. An einer der beiden Eingangstüren hat er seine künstlerische Haltung gekreidet, mit der er sich seit Jahren erfolgreich dem Kunstmarkt entzieht: „This Work is part of no collection and no Stiftung. This drawing is fully mine”.
Meisterwerke aller wichtigen Kunstrichtungen finden sich nicht nur in Museen, sondern verstärkt in den Sammlungen von Privatleuten und Unternehmen. Dieser Trend wird sich angesichts klammer öffentlicher Kassen fortsetzen, sehr zum Leidwesen der echten Kunstliebhaber unter den Bürgern. Bis Februar sind zwei Etagen des Bochumer Museumsbau nun angefüllt mit fast 90 Kunstmarkt-Beutestücken, die sonst nur in Chefetagen die sauberen Wände hinter den eleganten Büromöbeln verzieren. Sie dienen im Rücken der Mächtigen bekanntermaßen eher der hohen Kunst der Selbstdarstellung, nicht dem zusätzlichen Broterwerb herrlich florierender Geschäftsideen.
Laserblitze wanden an der Spitze entlang, bilden Formen, Muster, ziehen den Betrachter in die Höhe, er glaubt zu schweben und liegt doch auf der Matratze unter einer riesigen Trapezzelt-Installation. „Laser Cone“ und ist zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.
Die contemporary art ruhr, auch markenfördernd C.A.R. genannt, hat eine quadratische Vergangenheit. Sie startete als Messe, bei der Künstler ihre Arbeiten nicht an der Wand, sondern ausschließlich auf eckigen weißen Bodenflächen präsentierten.
Die vergangenen Wochen waren die des bewegten Lichtes, der elektronischen Sensationen im Ruhrgebiet. Mit ihren Installationen im Außenraum übertrafen die „Ruhrlights“, die jetzt zu Ende gingen, die gut gemeinte Lichtkunstbiennale vor einem halben Jahr. Auch die ISEA, die Ende August erstmals in Deutschland stattfand, bot Lichtarbeiten auf. Zentrum dieser internationalen (Fach-) Konferenz für Elektronische Kunst war Dortmund mit den Klubkonzerten und den Ausstellungen im Dortmunder U; Trägerinstitution der ISEA war der Hartware MedienKunstVerein.
Es war eine einmalige Rekonstruktion. Die Ausstellung im Essener Museum Folkwang „Das schönste...
Seite 106 von 106

Hangover mit Schafen
Ragnar Kjartansson in Recklinghausen – Ruhrkunst 07/26
Potenzial der Farben
Die Sammlung der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung im Märkischen Museum Witten – kunst & gut 07/26
„Ein Meister des Marketings“
Die Kuratorinnen Anna Brohm und Sonja Pizonka über „Ich, Gustave Courbet“ in Essen – Sammlung 07/26
Aus Papier wird Raum
Michael Beutler in Gelsenkirchen – Ruhrkunst 06/26
Junger Osten
„Die Kids sind nicht alright!“ im Bochum MuT – Ruhrkunst 06/26
Materie und ihre Energie
Anish Kapoor im Lehmbruck Museum Duisburg – kunst & gut 06/26
„Eine ganz eigene Form von Kunst“
Museumsdirektor Nico Anklam über „Sunday Without Love“ in der Kunsthalle Recklinghausen – Sammlung 06/26
Kreislauf des Alltäglichen
Yuko Mohri, Ei Arakawa-Nash und die Sammlung von Inge Baecker im Kunstmuseum Bochum – kunst & gut 05/26
Globales Waldbaden
„Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen – Ruhrkunst 05/26
Schrott im Museum
Ausstellung über Abfallentsorgung im Dortmunder U – Ruhrkunst 05/26
„Zurücklehnen und staunen“
Kurator Christian Höher über „Origins – Die Schönheit des Lebens“ im Wuppertaler Visiodrom – Interview 05/26
„Lebensverläufe, die wenig Beachtung gefunden haben“
Kuratorin Meta Marina Beek über „Die Kids sind nicht Alright!“ im Bochumer MUT – Sammlung 05/26
Subtil belichtet
Johanna von Monkiewitsch im Essener Kunstverein Ruhr – Ruhrkunst 04/26
„Klick!“, sagte die Kamera
Fotobücher für Kinder im Essener Museum Folkwang – Ruhrkunst 04/26
„Sie pendelte zwischen den Extremen“
Kuratorin Christine Vogt über die Ausstellung „Anja Niedringhaus“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen – Sammlung 04/26
Bilder, die aus der Fläche wachsen
Gerhard Hoehme im Museum Küppersmühle in Duisburg – kunst & gut 04/26
Pop, provokant
„German Pop Art“ in Oberhausen – Ruhrkunst 03/26
Lebenswerk in Farbe
Rupprecht Geiger in Hagen – Ruhrkunst 03/26
Wort zu Bild
Natalie Czech im Kunstmuseum Mülheim – kunst & gut 03/26
„Technologie radikal anders denken“
Direktorin Inke Arns über „Robotron“ im HMKV im Dortmunder U – Sammlung 03/26
Geschmacksachen
„Mahlzeit!“ im LWL-Museum in Herne – Ruhrkunst 02/26
Ästhetische Verwandtschaften
„Affinities“ in der Kunsthalle Recklinghausen – Ruhrkunst 02/26
Fotografie in bewegten Zeiten
Germaine Krull im Museum Folkwang in Essen – kunst & gut 02/26
„Sie wollten Kunst für alle machen“
Kuratorin Sarah Hülsewig über „German Pop Art“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen – Sammlung 02/26
„Die Guerrilla Girls sind mit der Zeit gegangen“
Kuratorin Nicole Grothe über die Ausstellung der Guerilla Girls im Dortmunder Museum Ostwall – Sammlung 01/26