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Poetry-Slam-Show auf der trailer-Wortschatzbühne vor rappelvoller Straße
Fotos: Benjamin Knoll

Kleine und große Highlights am Samstag

08. Juli 2012

Open-Air-Poetry-Slam und Ape & Feuerstein sorgten für regen Andrang vor der trailer-Wortschatzbühne – Literatur 07/12

Juckel Henke, Bochumer Autor und Kabarettist mit Herz, sorgte um 17.45 Uhr auf der trailer-Wortschatzbühne von Bochum Total 2012 für eine erste Standortbestimmung. Mit „pottschem“ Humor präsentierte Henke „Lesefetzen“ aus seinen Romanen „Frauen, die nach Schinken stinken“ und „Beate hatte ein Überbein – und sie tanzte den langsamen Walzer zu schnell“. Ersterer schaffte es bereits in die WDR Literatursendung „Was liest du?“ von Jürgen von der Lippe. Die skurrile Geschichte der von der Bankfilialleiterin zur Wurstfachverkäuferin degradierten Sylvia Stuben stand der Tragikomödie um die tänzerisch begabte Überbeinträgerin Beate Wieland zu Zeiten von RAF und Wende in nichts nach. Blieb am Ende nur noch zu sagen: „Wem es gefallen hat: Mein Name ist Juckel Henke. Wem nicht: Ich war Thilo Sarrazin“.

Der Bochumer Autor und Kabarettist Juckel Henke gibt seine Lesefetzen preis

Musikalisches Warm-Up
Roland Heinrich nahm das Publikum dann mit auf eine Reise vom Ruhrschnellweg bis in die Südstaaten. Seine heimatliebenden Rock’n’Roll-Songs haben ihm nicht nur Auftritte mit Ben Becker und Gunter Gabriel eingebracht, sondern sicherten ihm auch die Gunst der stehenden und sitzenden HörerInnen vor der Wortschatzbühne. Musikalisch blieb es auch um 20.15 Uhr. Ape & Feuerstein sorgten mit ihrem musikalischen Kabarett für den vorläufigen Höhepunkt auf der Wortschatzbühne. Mit Gitarre und Banjo bewaffnet schossen die beiden Multitalente gegen FDP, Bankertum und Meetings mit Flipchart und Power-Point-Präsentationen. Nur wenige Augenpaare konnten sich während ihrer Performance die Lachtränen verkneifen, so dass Ape & Feuerstein gar nicht anders konnten als noch zwei Zugaben zum Besten zu geben. Nach ihrem umjubelten Auftritt bat trailer das Duo zum Interview.

hhhh Die Menge im Blick, Fred Ape

Großer Andrang zur Headlineshow
Um 22 Uhr war es dann so weit. Sebastian23 lud zum Open-Air-Poetry-Slam. Im trailer-Blitzinterview vom Vorabend kündigte der mehrfache Preisträger, Vize-Poetry-Slam-Weltmeister und trailer-Kolumnist bereits vielsagend an: „Um 22 Uhr erwartet den Zuschauer ein Poetry Slam der Extraklasse auf der Wortschatzbühne. Torsten Sträter, Sascha Thamm, Jan Philipp Zymny, Johannes Floehr, Mulle und viele weitere bekannte Slammer werden die Bühne entern und das Mikro rocken! Ein Slam unter freiem Himmel ist schon etwas ganz Besonderes. Erst recht, wenn es nicht hagelt“ – und so kam es dann auch. Mehr als ein halbes Dutzend SlammerInnen, ein charismatischer Publikumsliebling als Gastgeber und umjubelte Geschichten von nachdenklich bis absurd-komisch unter klarem Himmel. Dazu eine Wortschatzbühne, die nun gut 1000 Menschen versammelte. Im Scheinwerferlicht drängten die Zuschauer sich vor, neben und teilweise sogar hinter der Bühne, um den Geschichten der Poeten und den nicht minder hörenswerten Pausenansagen des Moderators zu lauschen.

Gastgeber, Moderator und Vollblut-Slammer: Sebastian23

Torsten Sträter, überzeugter Schwarzhumorist und zweifacher NRW-Slam-Meister, gewährte uns beispielsweise einen Einblick in das Beziehungsleben zwischen ihm und seinem personifizierten, rassistischen iPhone „Siri“, welches so teuer war, dass auch 40 „Mohrenknaben“ von jenem Geld hätten gerettet werden können; „Learning by Burning“ war Sascha Thamms schriftgewordene Ode an eine nicht allzu ereignisreiche Jugend im bergischen Remscheid; und Johannes Floehr aus Krefeld erzählte dem Publikum von seiner Abneigung gegen studentisches Balzverhalten in Hannoveraner Tanzlokalen und erfand nebenbei einen neuen Studiengang, der sich ausschließlich mit dem Analysieren jener Großraumdiskobesucher befasste. Floehr verdiente sich mit diesem Auftritt zweifellos das Diplom. Die Sitzplätze beim Poetry-Slam waren rasch vergriffen

Nachdenklicher ging es bei den weiblichen Slammern zur Sache: Serin Blumenkind reflektierte das Verlassen des Elternhauses, Lisa Schöyen das Ende einer Beziehung und deren Folgen, und Slam-Neuling Mulle beklagte die schnelllebige Zeit, in der wir heute leben. Das Schlusswort der Slam-Show hatte der Wuppertaler Jan Phillipp Zymny, der lautstark ein fiktives Produkt namens „Awesome“ bewarb, welches in der Lage ist, einen Schwächling zu einem gitarrenspielenden Topdetektiv mit Superkräften mutieren zu lassen. An der frenetisch gefeierten Story gab es jedoch einen Haken: „Awesome kann man nicht kaufen. Awesome ist man“.

Stehende Ovationen für Slammer und Gastgeber

Gut 75 Minuten kreativen Silbenhagels zogen standig ovations und spontane Autogrammstunden nach sich und machten den Slam zu einem mehr als passenden Schlusspunkt eines ereignisreichen Samstagabends vor der Wortschatzbühne.

Benjamin Knoll

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