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Samuel Fosso, African Spirits, 2008 © Der Künstler. Courtesy der Künstler, Jean Marc Patras, Paris und The Walther Collection, Neu-Ulm/New York. Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2022
Foto: Achim Kukulies

Identitäten auf dem einen Planeten

05. September 2022

Fotografischer Blick auf die afrikanische Welt – Kunstwandel 09/22

Das Medium der Fotografie war einst eine (relative) Momentaufnahme der realen Welt. Allerdings wurde schon früh damit begonnen, die Welt und ihre Bewohner:innen in einem günstigen Licht zu präsentieren. Historische und künstlerische Transformationsprozesse wandeln bis heute die dokumentarische Kunstrichtung. Mit mehr als 500 Arbeiten aus Afrika, nebst Diaspora und altem und neuem Europa zeigt die Ausstellung „Dialoge im Wandel. Fotografien aus The Walther Collection“ im K20 in Düsseldorf transnationale Parallelen und Widersprüche vor, während und nach der Kolonialzeit. Dabei zeigt sich, wie langsam sich der weiße Blick auf den schwarzen Kontinent erst wandelt, wie zäh sich rassistische Konstruktionen in den westlichen Gesellschaften behaupten.

Es ist ein kleiner Raum gleich nach dem Eingang, in dem sich schnell die Gemeinsamkeiten des Mediums zeigen. Seydou Keita (1923-2001) und August Sander (1976-1964), vis-a-vis und schwarzweiß im Dialog hängen ihre Porträts dort an der Wand, die Blicke wandern links und wandern rechts, OK, an der Kleidung erkennt man die Leute. Allerdings scheinen Gestus und Habitus Mitte des 20. Jahrhunderts sehr ähnlich zu sein, wenn auch Stand und Besitz sich unterschieden. Ein Porträtfoto machte das wett.

Unter der Überschrift „Bild und Selbstbildnis“ wird das zeitgenössisch anders. Sue Williamson (*1941 in GB) porträtierte in den 1980er Jahren 17 politische Aktivistinnen, die sich vehement für ein Ende der Apartheit eingesetzt hatten und deren Gesichter während der weißen Domination nie in den Medien auftauchten. Auch der Kameruner Samuel Fosso (*1962) zeigt in seiner Serie „African Spirits“ (2008) die unerschrockenen Bürgerrechtler:innen Afrikas. Allerdings schlüpft er für die „Selbstportraits“ immer in den Habitus der betreffenden weiblichen wie männlichen Personen. Der Nigerianer Rotimi Fani-Kayode (1955-1989) hatte in Großbritannien nur sechs Jahre, um ein großartiges Werk zu schaffen. Die Auseinandersetzung zwischen seiner queeren Identität (Nothing to lose, 1989) gegenüber seiner alteingesessenen politisch und religiös bedeutenden Familie führte er mit farbigen erotischen Fotoperformances. Großartige Schau in Düsseldorf, einziges Manko: Diese extrem wichtige Ausstellung hätte einen Katalog verdient.

Dialoge im Wandel | bis 25.9. | K21 Düsseldorf | 0211 838 12 04

Peter Ortmann

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