Mit fast 2500 Gästen ist das Sparkassenzelt an diesem Abend gut gefüllt. Noch bevor die Kebekus überhaupt die Bühne betritt, tobt und klatscht das Publikum bereits, als wäre ein Justin Bieber oder die Neuauflage der Backstreet Boys zu Gast.
Dann endlich ist es soweit und die Ausnahmekünstlerin aus Köln betritt mit ihrer Single Pussy Terror die Bühne. In einer Kombination aus schickem Abendkleid und Ghettostyle heizt Carolin Kebekus dem Zeltfestival-Publikum so richtig ein, um dann in den folgenden, gut zwei Stunden Programm von Trash-TV, über Masturbation und das Frauenbild im Allgemeinen zu sprechen.... verzeihung, zu pöbeln und zu schimpfen.
Carolin Kebekus' Programm ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Da werden Veganer genau wie die GNTM-Models auf die Schippe genommen und wusstet ihr, dass der Weltrekord im ’Blow-Job geben‘ bei 250 Sch**** liegt? Kaum ein Auge bleibt trocken, als die Sprache auf das Onanieren kommt, ein Begriff, für den es, wie wir lernen, über 1000 verschiedene Synonyme gibt, während sich die holde Weiblichkeit mit „masturbieren“ oder „die Hölle putzen“ abfinden muss.
Überhaupt, so Kebekus, sei die Zeitschrift Brigitte die einzig wahre Bibel für die Frau und die gefürchtete Cellulite sowieso nur eine Frage der richtigen Beleuchtung. Einstimmigen Jubel erhält die Kölner Komikerkin bei ihren durchaus berechtigten Zweifeln an Trash-Formaten wie „Der Bachelor“, die sie als grundsätzlichen Rückschritt der weiblichen Emanzipation betrachtet.
Einzig die überraschend milde Kritik an der katholischen Kirche und deren momentane Entgleisungen quittiert das Publikum mit doch eher verhaltenem Applaus und Raunen. Zwei junge Leute vor mir verlassen sogar den Saal, wobei nicht abzusehen ist, ob es wegen der Kebekus oder doch aufgrund des übergroßen Bierdurstes geschieht.
Die Anspielungen auf die Ghettogang vom Eierberg schließlich kristallisieren sich als einer der Höhepunkte des Abends heraus. Ortsansässige kennen den Eierberg als Bezeichung für Bochums Rotlichtviertel, während Kebekus' Vorstellungskraft ein wenig mit ihr durchzugehen scheint: Vom malerischen Auenland ist die Rede, von jungen Männern in blütenweißen Hemden, die mit frischem Heu unter dem Arm der holden Maid auf der Straße den Hof machen. Als die Kölnerin dann noch zu ihren Wurzeln zurückkehrt und die schlesische Oma imitiert, die mit dem Enkel die frische Landluft vom Eierberg genießen möchte, ist wahrscheinlich auch endlich der letzte Lachmuffel im Zelt vollkommen überzeugt.
Was die Kebekus sympathisch macht, ist ihre natürliche Art. Egal, ob Ghettostyle oder Abendgarderobe: Die Kölnerin brilliert in beiden Rollen und haut mit Pussy Terror nicht nur ordentlich auf den bürgerlichen Putz, sondern offenbart auch eine gehörige Portion Sozialkritik, die unserer Gesellschaft an der ein oder anderen Stelle mehr als gut tut.
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