
Solange ich atme
Großbritannien 2017, Laufzeit: 118 Min., FSK 12
Regie: Andy Serkis
Darsteller: Andrew Garfield, Claire Foy, Tom Hollander
>> www.solange-ich-atme-film.de
Berührendes biografisches Drama
My love, my life
„Solange ich atme“ von Andy Serkis
Es läuft prima für Robin Cavendish: Geboren 1930, schlägt er als junger Brite eine Mitlitärlaufbahn ein und wechselt mit Ende zwanzig als Zwischenhändler in die afrikanische Tee-Produktion. Auch in der Liebe hat er Glück und findet in Diana Blacker die Frau seines Lebens, die er 1957 heiratet. Ein Jahr später erwarten sie einen Sohn. Doch dann erkrankt Robin an Kinderlähmung und ist innerhalb kurzer Zeit ganzkörpergelähmt und auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Er wird in eine englische Klinik verlegt, wo ihn schon bald Depression und Todessehnsucht ereilen.
Die Karriere des britischen Schauspielers Andy Serkis manifestierte sich vor allem durch seine Motion-Capture-Rollen (Gollum aus „Der Herr der Ringe“, Caesar in „Planet der Affen“, Käptn Haddock in Steven Spielbergs „Tim und Struppi“). „Solange ich atme“ ist sein Regiedebüt, und anders als seine bisherigen Fantasy- und Comic-Figuren beruht sein Film auf wahren Ereignissen. Robin Cavendish, gestärkt durch den Rückhalt seiner Frau, sucht Wege aus seiner schweren Erkrankung, verlässt als erster seinesgleichen das Krankenhaus, findet Unterstützer mit Erfindungsgeist, die ihm Hilfsmittel basteln. Seine Haltung, irgendwann das Risiko zu sterben zu akzeptieren, schenkt ihm ein Leben in größtmöglicher Freiheit. Die Chancen, die er sich erkämpft, finden in der festgefahrenen traditionellen Medizin zuerst wenig Gegenliebe. Später aber wird Cavendishs Trotz und Abkehr Vorbild für einen innovativen Umgang mit den Erkrankten, die persönlichen Spezialanfertigungen, darunter ein Rollstuhl mit integriertem Beatmungsgerät, gehen in Massenproduktion.
Zu Anfang liefert Serkis noch arg viel Weichzeichner-Optik aus Afrika, hier und da verliert er sich mal in pathetischer Nuance und am Ende findet er einmal zu oft letzte letzte Worte. Doch sein Debüt hat eine große Stärke: Anders als die ganzen jüngsten Teenie-Dramen, wie zuletzt etwa „Midnight Sun“, sucht „Solange ich atme“ Empathie und Emotion nicht in der Behauptung, die auf Tränendrüsen-Mechanismen fußt und in dem Schicksalsschlag und Empathie reine Pose bleiben. Darüber hinaus ist er auch nicht so übersteuert wie das gleichfalls Real-Life-basierte „Ziemlich beste Freunde“. Nein, es scheint genug überliefert vom Leben und Erleben des Robin Cavendish, und Serkis inszeniert diesen biografischen Schatz ebenso behutsam wie bedachtsam. Der Humor fließt hier still ein und entpuppt sich zugleich, neben seiner Diana, als Cavendishs größter Rückhalt. Statt Pathos von der Stange bemüht Serkis kleine Gesten, die ungleich ehrlicher berühren. Biografische, über Jahrzehnte gewachsene persönliche Entwicklungen der Hauptfigur verleihen dem Drama ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Damit wirkt es ungleich wahrhaftiger als jede zeitgenössische, fiktive Krankheits-Romanze. Und ist zugleich mit Andrew Garfield („Alles, was wir geben mussten“, „Hacksaw Ridge“) in der Hauptrolle glänzend besetzt.
(Hartmut Ernst)

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