
Silent Friend
Deutschland, Ungarn, Frankreich, China 2025, Laufzeit: 146 Min., FSK 6
Regie: Ildiko Enyedi
Darsteller: Tony Leung Chiu-Wai, Luna Wedler, Léa Seydoux
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Silent Friend ist besonders
Olli (96), 05.03.2026
Der Film hat etwas Geheimnisvolles! Pflanzen, insbesondere der Gingo-Baum im Botanischen Garten in Marburg, und Menschen scheinen gleichberechtigt im Film mitzuwirken. Die Menschen treibt der Wunsch um, das Wesen von Pflanzen "verstehen" zu wollen. Umgekehrt scheinen die Pflanzen das Bedürfnis zu haben, mit ihrer Umgebung (dem Menschen) zu kommunizieren. Es schimmert ein gewisses Verständnis füreinander durch. Doch zu unterschiedlich sind das Funktionsprinzip und die Erfahrungsebenen von Pflanze und Mensch, als dass man wirklich eine Kommunikationsebene finden könnte.
Die drei Zeitebenen im Film, die sich über einen Zeitraum von 112 Jahren erstrecken, spiegeln nicht nur die Ambivalenz zwischen Pflanze und Mensch wider. Die Spannungsfelder zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, zwischen Wissenschaftler und Handwerker (Hausmeister) und letztlich zwischen Mann und Frau werden thematisiert. Auch hier gibt es Annäherung, aber letztlich auch unterschiedliche Erfahrungsbereiche, die der jeweils andere nicht vollständig durchdringen kann.
Die drei Zeitebenen werden inhaltlich immer wieder punktuell "durchstochen". So bildet beispielsweise die Zitation von Goethe und seines Buches "Metamorphose der Pflanzen" eine gut konstruierte Verbindung zwischen den Zeitabschnitten. Gleichzeitig greift sie auch Bezüge zu den genannten Ambivalenzen des Films auf.
Insgesamt ein tolles Konzept für einen Film. Ergebnis ist ein echtes Kunstwerk, dass beeindruckt und den Betrachter mitnimmt. Die junge Luna Wendler war großartig. Den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin beim Filmfestival in Venedig ist eine schöne Würdigung ihrer Person und ihres Könnens.

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