
Romería – Das Tagebuch meiner Mutter
Spanien, Deutschland 2025, Laufzeit: 114 Min., FSK 16
Regie: Carla Simón
Darsteller: Llúcia Garcia, Mitch, Tristán Ulloa
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Feinfühliges Coming-of-Age-Drama
Flirrende Familiengeheimnisse
„Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“ von Carla Simón
Carla Simón ist es wieder gelungen: Nach ihrem preisgekrönten Film „Alcarràs – Die letzte Ernte“ (Goldener Bär, Berlinale 2022) hat sie mit „Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“ erneut ein vielschichtiges Familiendrama geschaffen. Darin reist die 18-jährige Marina (Llúcia Garcia) Anfang der 2000er von Barcelona nach Galicien, um die Familie ihres früh an Aids verstorbenen Vaters kennenzulernen. Für ein Stipendium benötigt sie die Sterbeurkunde ihres Vaters, doch dieser ist darin als kinderlos vermerkt – ein Fehler?
Begleitet wird Marina auf der Reise vom Tagebuch ihrer ebenfalls an Aids verstorbenen Mutter. Die beschreibt darin neben Drogenexzessen auch die leidenschaftliche Beziehung zu Marinas Vater in den 1980er Jahren. Mit dieser zweiten Zeitebene erzählt Simón neben einem Familiendrama zugleich ein Stück spanische Geschichte: „Romería“ ist nicht nur ein Porträt der Region Galicien, sondern auch ein Einblick in eine Gesellschaft im Umbruch nach dem Ende der Diktatur von Francisco Franco. In sommerlich-flirrenden Bildern fängt Simón die Sehnsucht und den Schmerz von Marinas Eltern ein, die am Ende beide ihrer Drogensucht zum Opfer fallen und an Aids sterben.
Marina hingegen kämpft mit der Kälte und dem Schweigen, die die Exzesse ihres Vaters in der Familie hinterlassen haben. Nach und nach lernt sie immer neue Tanten und Onkel kennen, trifft auf immer neue Geschichten und Sichtweisen – bis sie am Ende ihre Großeltern (José Ángel Egido und Marina Troncoso) kennenlernt und auf den Ursprung des Schweigens stößt. An dieser Stelle fängt Simón die ganze Ambivalenz menschlicher Beziehungen ein – und das verwirrende Gefühl, sich Menschen nahe fühlen zu müssen, die fremder nicht sein könnten. Wie schon in „Alcarràs“ ist eine der größten Stärken von „Romería“ der unaufgeregte Erzählstil, der den Film fast wie eine Dokumentation wirken lässt. Doch im Gegensatz zu „Alcarràs“ gibt Simón diesem Realismus hier einen magischen Touch: Im zweiten Teil vermischen sich die beiden Erzählebenen, Marina wird zu ihrer Mutter, ihr Cousin Suso (Mitch Martín) zu ihrem Vater. Das Ergebnis: Nicht nur ein Familien-, sondern ein Coming-of-Age-Drama, das die Sehnsucht und Flüchtigkeit des Erwachsenwerdens einfängt.
Dass der Film trotzdem seine Bodenhaftung nicht verliert, ist vor allem dem überzeugenden Spiel von Llúcia Garcia zu verdanken. Sie spielt Marina als in sich ruhende junge Frau, die mit nüchterner Präzision die scheinheiligen Dynamiken ihrer entfremdeten Verwandtschaft entlarvt – und am Ende für sich, ihre Eltern und die Wahrheit einsteht.
(Marina Wudy)

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