
Rebellinnen – Leg dich nicht mit ihnen an
Frankreich 2018, Laufzeit: 87 Min., FSK 16
Regie: Allan Mauduit
Darsteller: Cécile de France, Yolande Moreau, Audrey Lamy
Rock’n’Roll-Komödie
Elles, Belles, Rebelles
„Rebellinnen – Leg dich nicht mit ihnen an!“ von Allan Mauduit
Nach fünfzehn Jahren an der Côte d'Azur kehrt Sandra, 35, arbeitssuchend und recht abgehalftert, zu ihrer Mutter zurück. Die wohnt im Norden Frankreichs in einem Wohnwagen am Küstenstadtrand. Und so ergattert die einstige Schönheitskönigin fürs erste einen Fließband-Job in der Fischfabrik. Als der Vorarbeiter über sie herzufallen sucht, gibt sie ihm Saures und wird dabei tatkräftig von der robusten, alleinerziehenden Marilyn und der warmherzigeren, aber ebenso wehrfähigen Nadine unterstützt. Dabei fällt den dreien ein großer Batzen Geld in die Hände, und das Geld ist nicht herrenlos: Da ist zum einen der Kleinganove Simon, vor allem aber eine schießwütige Meute aus Belgien, die den drei Frauen schon bald auf die Pelle rücken. Und zu allem Überfluss macht sich noch ein strafversetzter Polizist aus Paris an Sandra ran.
Cécile de France als gefallene Heimkehrerin, Audrey Lamy als White Trash-Göre und Yolande Moreau als Glucke mit Schrotflinte – das Trio wird schlichtweg von einem Dreamteam verkörpert. Und Regiedebütant Allan Mauduit, der auch das Drehbuch schrieb, konfrontiert seine Heldinnen mit allerhand skurrilen Typen und Situationen, serviert derbe und geschmackvoll mit Gelbstich und pointierten One-Linern. Temporeich und frech geschnitten, musikalisch geschmacklich unterlegt, von Western-Verweisen bis zum rauen „Bang Bang“-Cover. Ein kleines, knackiges, dreckiges, cooles Ding, einfach mal so rausgehauen – und gar nicht mal so hohl, sind die Figuren doch, abgesehen von den groben Belgiern, so gar nicht bloß stereotyp.
Ein Pulp Fiction-Krimi mit Referenzen an Tarantino und Wucht und Tempo des frühen Guy Ritchie – warum kommt so etwas jetzt aus Frankreich? Mauduit sagt dazu ganz unverblümt: „Ich muss gestehen, dass mir die französische Literatur und das französische Kino – die in der Regel eher bürgerlich ausgeprägt sind – manchmal auf die Nerven gehen.“ Auch, indem er seine Heldinnen aus dem Arbeitermilieu akquiriert, sperrt er sich bewusst gegen die Tradition: Im „Leben von Arbeitern ist nicht immer alles nur dramatisch und trist“. Punkt. Der Regisseur hat es also nicht mit den Konventionen und von daher auch klare Vorbehalte gegen patriarchalische Strukturen.
Doch auch wenn es die Männer hier mitunter schmerzhaft auf die Mütze bekommen und darunter, versteht Mauduit seinen Streifen nicht gleich als feministischen Film. Seine Rebellinnen haben die Hosen an, setzen aber kein Statement, sondern höchstens mal den Zeigefinger. Das bewahrt der „Rock’n’Roll-Komödie“, wie Mauduit seinen Film eingeordnet haben möchte, die Leichtigkeit. Die Frage müsste also eher lauten: Warum kam so etwas nicht längst mal aus Frankreich? Und vor allem: Warum kommt so etwas nicht aus Deutschland? Weil es eben nicht reicht, Männern coole Sonnenbrillen aufzusetzen, und weil es völlig irrsinnig ist einem solchen Entwurf auch noch ein Rührstück überzuwerfen („Knockin' on Heaven‘s Door“ – oder kam danach noch was?). Mauduit schießt locker aus der Hose. Das macht er gut und das macht Spaß.

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