
Hamnet
Großbritannien, USA 2025, Laufzeit: 125 Min., FSK 12
Regie: Chloé Zhao
Darsteller: Paul Mescal, Jessie Buckley, Emily Watson
>> www.upig.de/micro/hamnet
Emotionales Beziehungsdrama
Inspiriert vom Leben
„Hamnet“ von Chloé Zhao
William Shakespeare (1564-1616) ist einer der wenigen Schriftsteller, dessen Arbeiten auch nach mehr als 400 Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Immer wieder werden die Stücke des britischen Barden auf die Theaterbühnen dieser Welt gebracht oder für Film und Fernsehen neu interpretiert und dabei mitunter auch zeitgemäß modernisiert. Auch das Leben Shakespeares selbst lieferte immer mal wieder die Vorlage für Fiktionalisierungen. Der deutsche „Master of Desaster“, Roland Emmerich, ging in einem seiner ungewöhnlichsten Filme, „Anonymus“ im Jahr 2011, der Urheberschaftsfrage um den Schriftsteller nach, da bereits seit dem 18. Jahrhundert Zweifel bestehen, ob die Klassiker wirklich alle seiner Feder entstammen. Die nordirische Schriftstellerin Maggie O’Farrell hat in ihrem erstmals 2020 erschienenen Roman „Judith und Hamnet“ einen anderen, verbürgten Aspekt aus dem Leben Shakespeares aufgegriffen. Es geht darin um den Verlust seines damals erst elfjährigen Sohnes Hamnet, der die Familie in eine schwere Krise stürzte und von dem Schriftsteller schließlich auf künstlerische Weise im Stück „Hamlet“ verarbeitet worden ist.
Als sich Will (Paul Mescal) und Agnes (Jessie Buckley) das erste Mal begegnen, sind sie direkt voneinander fasziniert, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Als sie schließlich von der Identität des anderen erfahren und feststellen müssen, dass sie verfeindeten Familien entstammen, wird die Situation nicht einfacher. Aber als sich der erste Nachwuchs ankündigt, erhält das Paar den Segen der Familien und heiratet. Kurze Zeit danach kommen auch noch die Zwillinge Hamnet (Jacobi Jupe) und Judith (Olivia Lynes) auf die Welt, letztere von Geburt an ein schwächliches Kind. Als die Pest zu wüten beginnt und auch die Kinder in Gefahr geraten, hat William die Familie längst in Richtung London verlassen, wo er am Theater Karriere macht. Agnes bleibt mit sich und ihren Problemen weitgehend allein. Es ist ein Glücksgriff, dass Maggie O’Farrell ihren Roman gemeinsam mit der Filmemacherin Chloé Zhao („Nomadland“) für die Leinwand adaptierte, da auf diese Weise der weibliche Blickwinkel auf die Geschichte bewahrt werden konnte. Schon in den ersten Einstellungen wird deutlich, dass Agnes eine selbstbewusste Frau und damit ihrer Zeit weit voraus war. Interessanterweise dauert es bis zum letzten Viertel des Films, bis der Name Shakespeare das erste Mal fällt und aus der zuvor geschilderten privaten Tragödie eines Ehepaars und einer Familie eine Geschichte von historischer Tragweite entsteht. Es sind genau jene Elemente der Schilderung des entbehrungsreichen Alltags im 16. Jahrhundert, die in ihrer ruhigen und getragenen Erzählweise das Interesse an „Hamnet“ (mit acht Oscar-Nominierungen einer der großen diesjährigen Favoriten) wecken. Einerseits sind die Lebensumstände aus heutiger Sicht ungewöhnlich und stark gegensätzlich zu unseren eigenen, andererseits gibt es viele Anknüpfungspunkte und universell nachvollziehbare Gefühle, die das Handeln der Figuren hier bestimmen.
Golden Globes 2026: Bester Film (Drama), Beste Hauptdarstellerin (Drama): Jessie Buckley

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