
Die Legende des Wüstenkindes
Frankreich 2026, Laufzeit: 92 Min., FSK 6
Regie: Gilles de Maistre
Darsteller: Nahel Tran, Zayn Sekkat, Nahïl Bouazzaoui
Bildstarker und berührender Coming-of-Age-Film
Unter Straußen
„Die Legende des Wüstenkindes“ von Gilles de Maistre
Nach seinem weltweiten Erfolg 2018 mit „Mia und der weiße Löwe“ hat der französische Filmemacher Gilles de Maistre sein Herz für Beziehungsfilme zwischen Mensch und Tier entdeckt: Es folgten 2021 „Der Wolf und der Löwe“, 2024 „Ella und der schwarze Jaguar“ mit über einer Million Zuschauer in den deutschen Kinos, 2025 „Moon, der Panda“ und jetzt „Die Legende es Wüstenkindes“.
Als der zweijährige Hadara bei einem Sandsturm von seiner Mutter getrennt wird, verirrt er sich in der endlosen Weite der Sahara. Eine Straußenherde rettet ihn und zieht ihn mit ihren eigenen Jungen auf. Hadara passt sich schnell an die außergewöhnlichen Bedingungen an, kuschelt in den Federkleidern seiner neuen Familienangehörigen und lernt, sich von Würmern und Skorpionen zu ernähren. Schließlich findet er in dem männlichen Strauß Hoc einen Ersatzvater und in dem niedlichen, kleinen Wüstenfuchs seinen besten Freund, den er „Sahara“ nennt. Je älter Harada wird, umso bewusster wird ihm auch, dass er ewig ein Außenseiter in der Herde bleiben wird. Obwohl er sich bemüht, den tierischen Rettern seine Dankbarkeit zu zeigen, indem er ihre Eier gegen tierische Nesträuber verteidigt.
Ein Hauch von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ liegt über den wortlosen, faszinierenden Begegnungen der drei jungen Darsteller von Hadara (als Zweijähriger: Nahil Bouazzaoui, als Sechsjähriger: Zayn Sekkat, als Zwölfjähriger: Nahel Tran) und den Tieren, die Gilles de Maistre nie in Disney-Manier vermenschlicht. Das gelingt vor allem durch die zeitaufwendigen Proben, in denen eine Tiertrainerin den menschlichen und den tierischen Cast miteinander vertraut machte. Umrahmt wird diese märchenhafte Coming-of-Age Geschichte unter Tieren von einer realistischen Handlung: Die 14-jährige Französin Sun (gespielt von Neige de Maistre, der Tochter des Regisseurs) hat mit der – wie sie glaubt – von ihrem Großvater erfundenen Gute-Nacht-Geschichte über den Straußenjungen Hadara einen Bestseller („Das Buch der Wüste“) geschrieben. Der bringt ihr nicht nur Preise ein, sondern auch den Kontakt zu der gleichaltrigen Kharoube, einem in der Sahara lebenden Nomadenmädchen. Kharoube erzählt ihr, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, in der auch ein skrupelloser Dokumentarfilmer eine Rolle spielt, der Hadaras Schicksal kommerziell ausbeuten will.
In diesem Moment verliert Gilles de Maistres Inszenierung ein wenig ihre Leichtigkeit, weil sein Fokus nicht mehr auf Hadara gerichtet ist, sondern etwas belehrend ein Diskurs über die unterschiedlichen Traditionen westlicher und afrikanischer Kulturen angestoßen wird. Und auch einige Tiktok-artig geschnittene Sequenzen wollen so gar nicht zum Erzählrhythmus passen. Doch dann findet der von Vincent van Gelder betörend fotografierte Film wieder in die Spur.
(Rolf-Ruediger Hamacher)

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