
Die Känguru-Chroniken
Deutschland 2020, Laufzeit: 92 Min., FSK 0
Regie: Dani Levy
Darsteller: Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral
>> www.kaenguru-film.de
Gut gelaunte Anarchokomödie nach den Bestsellern
Bin Kommunist! Was dagegen?
„Die Känguru-Chroniken“ von Dani Levy
Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) schläft wie immer seine Mittagsmigräne aus, als es klingelt. Vor der Wohnungstür steht ein Känguru, das Eier für Eierkuchen leihen will. Weil dem Känguru, wie sich herausstellt, auch Salz, Milch, Mehl, Öl, Pfanne und ein Herd fehlen, nistet es sich kurzerhand beim Berliner Kleinkünstler ein – als Arbeitsverweigerer und Kommunist natürlich mietfrei. Der Beginn einer aufreibenden eheähnlichen WG, die Basis sein wird für absurde Wortgefechte, Peinlichkeiten und die Gründung der Anti-Terrorinitiative „asoziales Netzwerk“ im Kampf gegen den schmierigen Rechtspopulisten Dwigs (Henry Hübchen).
Für eine breite Fanbase und die Mehrheit der deutschen Literaturkritik sind die vier Känguru-Werke des Autors und Kabarettisten Marc-Uwe Kling die neue Satire-Bibel. Ihr erster Teil, „Die Känguru-Chroniken“, entstand als wöchentlicher Berliner Radio-Podcast „Neues vom Känguru“ und wurde 2009 in Buchform bundesweit Kult. Ein satirischer Episodenroman in 83 Kurzgeschichten. Das rotzfreche Känguru als anarchisch-asoziales Alter Ego des duldsamen Autors. Dispute, in denen es manchmal um Weltbewegendes geht, manchmal um eigentlich nichts. Zahllose Anspielungen auf Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Filme wie „Star Wars“, Bücher wie „Die Wanderhure“, Running Gags, sogar Fußnoten. Wie verfilmt man so was?
Am besten, indem man den Autoren das Drehbuch schreiben lässt.
Marc-Uwe Kling wählt einen so simplen wie einleuchtenden Weg: Er packt sein eigenes sozialphilosophisches Allerlei in eine Krimikomödie, die Handlungsfragmente aus allen vier Büchern zusammenwürfelt. Das nicht immer lupenrein animierte Känguru spricht er persönlich, eine Besetzung, die in diesem Fall unendlich mehr Sinn macht als jeder externe Schauspieler. Die Regie übernahm Dani Levy, den man bisher vor allem als feinfühligen Bewältiger jüdisch-deutscher Geschichte („Alles auf Zucker“, „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“) und „Tatort“-Regisseur kennt.
Dwigs, unschwer als Parodie auf den österreichischen Rechtsaußen Jörg Haider auszumachen, will einen absurd phallischen Riesenturm in den Kreuzberger Kiez bauen. Da müssen Marc-Uwe und das Känguru natürlich terrormäßig gegen anstinken mit ihrem asozialen Netzwerk, das Kling mit Nebenfiguren der Bücher bestückt. Zur Gang gehören Kneipenbesitzerin Herta (Carmen-Maja Antoni), die türkischen Brüder Friedrich-Wilhelm (Adnan Maral) und Otto-von (Tim Seyfi) sowie Hackerin Maria (Rosalie Thomass), die einen kleinen Jungen namens Jesus aufzieht. In den Büchern eher beiläufig Marc-Uwes desinteressierter Love Interest, wird aus Maria hier die dritte Hauptfigur. Mehr als Romanze und Politklamauk will Klings Selbstadaption vor allem eins sein: eine Buddykomödie, die sich liebevoll vor den Ansichten seines vorlauten Beuteltiers verbeugt. Vor Schnapspralinen, Anti-Terror-Anschlägen, Bud Spencer und Terence Hill, eben allem, das asozial viel Spaß macht.

Echt. Kino.
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