
Der Wunderweltenbaum
Großbritannien 2026, Laufzeit: 110 Min.
Regie: Ben Gregor
Darsteller: Andrew Garfield, Claire Foy, Delilah Bennett-Cardy
Liebevoll inszeniertes Fantasy-Abenteuer
Ein Hoch auf die Magie
„Der Wunderweltenbaum“ von Ben Gregor
Nachdem ihre Mutter (Claire Foy) aus moralischen Skrupeln heraus ihren Job verliert, beschließen sie und ihr Mann Tim (Andrew Garfield), einen Neustart auf dem Lande zu wagen. Tochter Fran (Billie Gadson) und ihre zwei Geschwister sind damit gar nicht einverstanden, vor allem Beth, die Älteste, vermisst in der alten Scheune, die die Familie bezieht, den Zugang zur digitalen Welt. Fran indes entdeckt im Wald den Wunderweltenbaum, auf dem illustre Feen, Kobolde und weitere skurrile Figuren hausen und wo sich Fran phantastische Welten eröffnen. Beginn eines magischen Abenteuers, das der englische Regisseur Ben Gregor („StreetDance Kids – Gemeinsam sind wir Stars“) ganz wundervoll auf die Leinwand wirft.
Die Geschichten um den Wunderweltenbaum sind hierzulande bei weitem nicht so bekannt wie die Abenteuer der „Fünf Freunde“ oder von „Hanni & Nanni“ – und doch entstammen sie derselben Feder: Enid Blyton (1897-1968) schreibt in ihrem Leben über Tausend Kurzgeschichten und mehr als 700 Bücher – 1939 beginnt sie ihren kleinen Zyklus rund um den Zauberwald, inmitten dessen ebenjener Wunderweltenbaum thront.
Sieht man den Film, erscheint es verwunderlich, dass die Geschichte bisher nicht wirklich zu uns durchgedrungen ist. Umso schöner also, dass nun das Kino das Abenteuer auch in unsere Gefilde stupst. Und dass sich ein Regisseur findet, der nicht nur die jungen Zuschauer:innen abholt, sondern auch uns ältere Kinder in nostalgisch gebettete Kinowelten entführt. Ganz oldschool werden hier Freundschaft und Familie gefeiert, die Neugier und der Zusammenhalt, der Mut, die Zuversicht, die Phantasie. Ein Abenteuermärchen, das uns mal an die Welt von Oz erinnert, an Riesenpfirsich, Mecki-Igel, Hobbithöhle.
So einladend klassisch es daherkommt, entzieht sich das Abenteuer zugleich den gängigen Erzählmustern, indem es uns eher episodisch mitreißt: Wie Odysseus irrt Fran durch bunte Welten, in denen sie ihre Abenteuer bestehen muss, dabei erwächst und sich so Schritt für Schritt alles zum Guten fügt. Am Ende warten weder Drache noch Oberhexe – Antagonisten sind hier Madame Klaps, Mr. Ummbrummbrumm und, ganz weltlich: die gewissenlose Großmutter – allesamt eher extravagante Randfiguren als Endgegner.
Gregor inszeniert schwungvoll und weitestgehend stilsicher – die anfangs arg überstrapazierte Kritik am Digitalzeitalter und verirrte Discobeats im Baumgipfel sind die einzigen kleinen Ausrutscher in diesem insgesamt äußerst liebevoll und detailverliebt gestalteten Universum. Die Besetzung trumpft dabei mit prominenten Haupt- (Garfield, Foy, Rebecca Ferguson) und Nebendarstellern (Michael Palin) auf, wird aber vor allem angeführt von der hinreißenden Billie Gadson, die nach kleinen Rollen in Craig Gillespies „Cruella“ und Robert Zemeckis „Here“ ihre erste Hauptrolle stemmt.
Ein Vergnügen für Klein und Groß fernab seelenlos produzierter Bombastmärchen-Blockbuster. Gregor inszeniert mit Herz und erreicht uns eben dort, wenn er die Magie hochleben lässt, die (nur) in Kinderköpfen zum Leben erweckt werden kann und Erwachsene zurück in die Kindheit entführt. Droben im Land der Bücher hoch überm Wunderweltenbaum wird es Enid Blyton dem Regisseur sicherlich danken.

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