
Der Salzpfad
Großbritannien 2024, Laufzeit: 115 Min., FSK 6
Regie: Marianne Elliott
Darsteller: Gillian Anderson, Jason Isaacs, James Lance
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Warmherzig-melancholisches Roadmovie der ganz anderen Art
Tröstende Natur
„Der Salzpfad“ von Marianne Elliott
Das englische, schon etwas ältere Ehepaar Moth (Jason Isaacs) und Raynor Winn (Gillian Anderson) steht plötzlich mittellos auf der Straße, hat Bauernhof und Vermögen verloren. Zudem wurde bei Moth eine seltene, unheilbare Krankheit diagnostiziert, die Gehirn und Nerven befällt. Der Arzt gibt ihm noch fünf bis sechs Jahre. Also machen sich die beiden mit Rucksack, Zelt und 1,36 Pfund in der Tasche auf eine mehr als 1000 Meilen lange Wanderung auf Südenglands berühmtesten Küstenwanderweg.
Moth, schon gezeichnet von seiner Krankheit, humpelt mehr, als dass er läuft, muss nach zweieinhalb Meilen schon das erste Lager aufschlagen. Campingplätze sind für sie unerschwinglich, der Wegesrand wird zu ihrem neuen Zuhause, Duschen zum seltenen Luxus. Ihre Begegnungen mit den unterschiedlichsten Personen umspannen alle Nuancen menschlichen Verhaltens: Mal stoßen sie auf Ablehnung, mal auf Hilfsbereitschaft, dann wieder auf skurrile Typen. Sie torkeln immer am Rande des Überlebens, eine heiße Tasse Tee löst da schon mal wahre Glückgefühle aus. Aber es schleichen sich in diese Strapazen auch immer wieder humorige und hoffnungsfrohe Momente ein. Etwa, wenn sich Moth in einem kleinen Küstenort spontan eine Kiste packt, auf sie springt und eine Geschichte vom nordischen Sagenhelden Beowulf zum Besten gibt. Raynor geht mit dem Hut rum – das Abendessen ist gerettet. Da will ihm Raynor bei der Beschaffung des kargen Lebensunterhalts nicht nachstehen und verdingt sich als Tagelöhnerin beim Schafscheren, was einen leisen Hauch von Slapstick über die Sequenz legt. Es passiert nicht viel Aufregendes in diesem Roadmovie der ganz anderen Art – und doch ein ganzes (neues) Leben. Moth und Raynor entdecken wieder den Sex, finden Trost in der Natur, und schließlich auch Inspiration für die Zukunft. All das basiert auf einer wahren Geschichte, wie wir im Nachspann erfahren.
Theaterregisseurin Marianne Elliott, die mit „Der Salzpfad“ ihr Spielfilmdebüt vorstellt, kann sich bei ihrer Inszenierung auf ein stringentes und schnörkelloses Drehbuch (Rebecca Lenkiewicz) stützen und auf ein authentisch agierendes Darstellerpaar. So, als wären sie wirklich ein Ehepaar, das man in einem Dokumentarfilm auf einer Wanderung durch atemberaubende Landschaften begleitet, schlüpfen Jason Isaacs und Gillian Anderson in ihre Rollen, meistern durch Elliotts präzise und einfühlsame Schauspielführung alle emotionalen Klippen der Geschichte. Mit Zärtlichkeit und ohne jede Peinlichkeit lassen sie uns an ihrer Wiederentdeckung der lange vermissten, körperlichen Liebe teilhaben. Und die traumhaften Bilder, die Elliott und ihre kongeniale Kamerafrau Hélène Louvart für ihre beschwerliche wie auch beglückende Reise finden, lassen uns gleichzeitig in die Seelen der Protagonisten und in die Schönheit der Landschaften eintauchen.
(Rolf-Ruediger Hamacher)

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