
Astrid
Schweden, Deutschland, Dänemark 2018, Laufzeit: 123 Min., FSK 6
Regie: Pernille Fischer Christensen
Darsteller: Alba August, Maria Bonnevie, Trine Dyrholm
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Ernstes Biopic über die frühen Jahre von Astrid Lindgren
Gegen jeden Widerstand
„Astrid“ von Pernille Fischer Christensen
Astrid Lindgren muss man nicht groß vorstellen. Durch ihre unzähligen Kinderbücher mit Figuren wie Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach, dem Meisterdetektiv Kalle Blomquist, Tomte, Madita, Michel aus Lönneberga, den Kindern aus der Krachmacherstraße und aus Bullerbü, Ronja Räubertochter und viele mehr, ist sie unsterblich geworden, auch wenn 2002 das erfüllte Leben der 1907 geborene Schwedin nach 94 Jahren endete. Aber vielleicht muss man sie dennoch vorstellen. Denn die Bücher von Astrid Lindgren und ihre Figuren kennt zwar jeder. Aber wer weiß schon etwas über das Leben der Autorin? Exzentrisch war ihr Dasein als Schriftstellerin nicht. Jahrzehnte hat sie für den Verlag, der auch ihre Bücher publiziert hat, als Lektorin gearbeitet. Vormittags schrieb sie zuhause, nachmittags ging sie in den Verlag. Gelebt hat sie jahrzehntelang bis zu ihrem Tod in einer ganz gewöhnlichen Wohnung in Stockholm. Über die große Autorin gibt es also gar nicht so viel zu erzählen – vielleicht würde eine kurze Dokumentation ausreichen. Andererseits wäre es sicher auch spannend zu erforschen, wie diese ganzen Verrücktheiten in ihren Büchern ihrer Fantasie entsprungen sind. Das hätte ein bunter, überbordender Film sein können.
All das ist das Biopic „Astrid“ von Pernille Fischer Christensen nicht. Man kann sogar behaupten, dass die Schriftstellerin Lindgren überhaupt nicht vorkommt. Der Film endet, noch bevor Astrid die ersten Worte als Kinderbuchautorin niederschreibt – folgerichtig heißt er im Original „Die junge Astrid“. Er zeigt, wie es dazu kommen konnte, dass die junge Astrid die bekannte Schriftstellerin wurde. Den Samen für ihr Werk findet man in ihren frühen Jahren: Astrid (von Alba August faszinierend als naive, aber auch sehr selbstbewusste junge Frau gespielt) wächst zusammen mit ihrem älteren Bruder, ihren beiden jüngeren Schwestern und ihren Eltern auf einem Bauernhof auf. Mit 16 Jahren erhält sie überraschend das Angebot, bei der Tageszeitung in der nächstgelegenen Kleinstadt zu arbeiten. Mit dem viel älteren Chef hat sie bald ein Verhältnis und wird ungewollt schwanger. Gegen den Willen der Eltern und alle gesellschaftlichen und religiösen Normen bekommt sie das Kind, heiratet aber nicht den Vater des Kindes, sondern gibt ihren Sohn schweren Herzens zu einer Pflegemutter, um in Stockholm eine Ausbildung zur Sekretärin zu absolvieren. Dort leidet sie sehr unter der Trennung von ihrem Sohn und will ihn möglichst bald zu sich holen. Astrid bei ihrem emanzipatorischen Befreiungskampf gegen die Eltern, die Kirche, die Männer und die ganze Gesellschaft zu begleiten, ist nur selten so lustig wie das anarchistische Treiben ihrer bekanntesten Figur Pippi Langstrumpf. Aber deren widerständigen Kampfgeist und Stärke verbreitet die bislang nur im schwedischen Fernsehen präsente Alba August auf der Leinwand mit einnehmendem Charme.
Chicago Int. Film Festival 2018: Bester fremdsprachiger Spielfilm
(Christian Meyer-Pröpstl)

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