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A Serious Man
USA 2009, Laufzeit: 105 Min., FSK 12
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Darsteller: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff, Jessica McManus, Michael Tezla, Alan Mandell, George Wyner, Peter Breitmayer, Brent Braunschweig, David Kang

Meine Meinung zu diesem Film

brav sein lohnt sich nicht
mobile (158), 01.03.2010

Ich muss sagen, dass wir ziemlich ratlos aus dem Kino gingen und beschlossen, eine Nacht über den Film zu schlafen. Na, ja, das hat uns nicht wirklich weitergebracht, was aber für den Film spricht! Ich fand ihn sehr amüsant und hatte Mitleid mit diesem jüdischen Familienvater. "Ich habe doch nichts getan", sagte er, als ihm seine Frau eröffnete, dass sie sich scheiden lassen möchte. Dieser Satz passt auf fast alle seine Krisensituationen, die danach noch auf ihn einprasseln. Er hat versucht, wie ein braver (serious) Mann zu leben und wundert sich nun, dass das nicht gereicht hat. Ist das vielleicht die Moral von der Geschicht'? Schaut euch den Film an und findets selbst raus!

Ach ja, noch ein Tipp an Kat-Ja: Ist keine gute Idee, das Ende eines Film zu verraten ;-)

Wunderbar schräg!
Murxel (1), 24.02.2010

An der Sinnfrage verzweifeln sowohl weniger Intelligente, wie auch Superintelligente, jeder nach seiner Couleur... und dabei wird beim Rabbi auch bloß mit Wasser gekocht... Habe viel gelacht bei diesem auch technisch präzise gearbeiteten Filmgenuss - zwischendurch mit dem Gefühl, dass wenn man mit Grace Slick und Jimi Hendrix mehr als einen Namen verbindet, das Ganze perfekt abgerundet rüber kam.

Sehr gut
TERMINATOR (27), 21.02.2010

die Coen Bruder enttäuschen selten, viel Ironie steckt in diesem Film, der sich ruhig noch einmal sehen läßt.

Probleme vs. Wirklichkeit
Kat-Ja (4), 15.02.2010

Mir gefällt die voranstehende Deutung von Woelffchen und doch möchte ich meine weniger auf Bibel-Kenntnissen beruhende Interpretation des Filmes dazufügen.
Der Film hat mir gut gefallen als eine stimmige Komposition schöner Bilder, untermalt und dramatisiert mit skurril virtuoser Musik und vermittelt mit künstlich inszeniertert und dennoch ohne platter Überteibung dargebotener Handlung.
Am meisten begeistert hat mich das Ende, das für mich die Intention des Filmes entschlüsselt hat: Es wird uns scheinbar die unausweichliche Entwicklung der Probleme eines Mannes dargeboten, denen der Hauptdarsteller weder Herr zu werden scheinen kann noch möchte. Dieser duldet, erleidet und ist schlicht geplagt von seiner Lebenssituation. Mehr und mehr fühlen wir uns in dieses Chaos ein, haben uns schon längst mit seiner passiven Lebenseinstellung abgefunden, bis wir schließlich selbst kaum mehr einen erlösenden Ausweg aus seinen Problemen sehen.
Und da liegt die Krux: denn die Probleme sind gar keine, sondern lediglich Umstände des wahren Lebens. Sie wurden schlicht mit zu viel Aufmerksamkeit und zwischenmenschlicher Auseinandersetzung verkompliziert und aus der Langeweile ohne ernsthafte (existenzieller) Probleme zu echten Schein-Problemen differenziert. Dies verrät uns das Ende des Filmes, wo sich nämlich tatsächlich solche ernsthaften Probleme auftun, die mit Recht zum Nevenzusammenbruch und wahren Lebenskrisen führen können: der nichts Gutes verheißende Anruf des Arztes, welcher unverzüglich ein Patientengespräch erbittet, um die Ergebnisse der Leberuntersuchung zu bespechen; und der aufziehende Tornado, vor dem sich die Schulklasse in den Keller der Synagoge flüchten muss.
Herrlich fand ich diese Ironie, wie die "unvernünftig" behandelten Belanglosigkeiten am Ende des Filmes im Handumdrehen als solche offenbar wurden. Da blieb mir nichts anderes übrig als ein genüssliches langes und breites Lachen, darüber, diesem Wirrwarr auch auf dem Leim gegangen zu sein!

A Poor Man
woelffchen (594), 04.02.2010

Wieder so ein Kabinettstückchen der Coen-Brüder.

Durchgefeilt bis ins letzte Detail, präzise und handwerklich perfekt, über lange Strecken schier atemberaubend, schauspielerisch hervorragend, in einer Inszenierung, die z.Zt. keinen Vergleich zu scheuen braucht und in puncto Qualität hervorragend ist.

Wenn es offensichtlich nahe liegt, daß es sich bei der Story um eine Paraphrasierung des Buches Hiob handelt, und auch die biblische Begebenheit mit König David (2. Samuel Kap. 11) - sein Blick vom Dach seines Königshauses auf die sich badende Batseba - gezeigt wird, so verlassen die Autoren in ihrer Erzählperspektive, die entweder einen teilnahmslosen Gott suggeriert bzw. die Abwesenheit einer jeglichen sinnstiftenden Instanz (vgl. hierzu Film-Dienst), leider den Boden, auf dem sowohl Hiob als auch König David letztlich dann doch noch nach dem Durchlaufen ihrer Leidenszeiten Trost und Lohn von Gott für das Durchlittene erhalten.

Insofern ist Larry Gopnik "A Poor Man", der die Sinnfälligkeit seiner Leiden weder versteht noch dafür entlohnt wird. Und so wie ihm ergeht es heutzutage leider vielen Zeitgenossen - Gott sei's geklagt - denn es gibt einen Gott, der uns bei der Bewältigung unseres Lebens helfen möchte!.

Perspektivwechsel
Colonia (683), 28.01.2010

Das Coen'sche Typenkabinett funktioniert auch bei "A serious man" wieder prächtig. Es darf gelacht und (mit-)gelitten werden mit Larry Gropnik, der armen Sau, die alles richtig machen will und der doch alles, alles irgendwie entgleitet.

Klasse Schauspieler, gutes Timing und ein herrlich ironischer Blick auf eine jüdische Gemeinschaft in Minnesotas Flachland der 60-er Jahre.

Abwärts
Unser (26), 23.01.2010

Larry Gopnik ist ein ernsthafter Mann. Er ist vielleicht ein bisschen verklemmt und aggressionsgehemmt aber dafür auch ziemlich schlau. So kann er als Physikprofessor berechnen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Was dabei herauskommt kann er wie alle, die es verstanden haben, eigentlich nicht wirklich verstehen. Und nicht nur das, die Physik verweigert in ihren Aussagen auch noch jede definitive Antwort und liefert nur Wahrscheinlichkeiten und berechenbare Ungenauigkeiten. Larry weiß das.

Aber Larry ist ein gläubiger Jude und hat damit ja einen Ansprechpartner für grundlegende Fragen. Von denen hat er im Film zunehmende mehr, als ihm das Leben (oder Gott) scheinbar ein Leidenspaket nach dem nächsten aufbürdet. Seine private, berufliche und finanzielle Situation gehen während des Films gestaffelt den Bach runter und als sich dann gegen Filmende alles wieder einzurenken scheint, kommt ein noch größerer Hammer. Das Leben scheint für Larry nur noch aus Leiden zu bestehen. Und dieses Leiden setzen die Regisseure mit einer solch wollüstigen Genauigkeit und Stimmigkeit in Szene, dass der Zuschauer pendelt zwischen Mitleid mit Larry und dem befreienden Lachen des Wiedererkennens. Das Kameraauge kommt ? außer in Larrys Träumen ? kaum raus aus der deprimierend gleichförmigen Vorstadt Einöde und selbst wenn Larry in der Sonne steht, scheint alles um ihn herum düster und grau zu sein. Einen Sonnenbrand kriegt er trotzdem, als er sich vom Hausdach aus zu sehr in den Anblick der schönen Nachbarin vertieft. Die, wie auch Larry Sohn macht sich das Leben durch drogeninduzierte Perspektivwechsel erträglicher. Diese neuen Freiheiten der siebziger Jahre in denen der Film spielt sind Larry eher fremd und so versucht er als ernsthafter Mann seine Probleme mit Hilfe der Religion zu lösen.

Dass der tiefe Glaube Probleme löse, die Annahme dementieren die Regisseure denn auch gleich bevor der Film richtig anfängt, wo eine tiefreligiöse Frau, im Wahn einen Geist zu sehen, einen alten Mann ersticht. So viel zur guten alten Zeit, als das Glauben noch geholfen hat. Unser Larry geht im Film von Rabbi zu Rabbi und mit zunehmendem Alter und zunehmender Weisheit verkünden auch die immer mehr Fragen als Antworten, und schweigen schließlich fast ganz. Und als er dann meint, es würde alles besser ... . Schöner genauer Film mit viel schwarzem Humor. Gleichzeitig beklemmend und amüsant.

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