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Prof. Georg Barber, Der Struwwelpeter, Konrad und Schneider, 2009
© ATAK und Kein und Abe

Böse Buben kommen heute in Abfalleimer

04. Dezember 2019

„Der Struwwelpeter“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen – Kunstwandel 12/19

Hereinspaziert in die Welt der bösen Jungs und Mädels. „Der Struwwelpeter“ – eigentlich dachte ich nicht, dass dieses doch recht schmale Kinderbuch für eine Ausstellung über drei Etagen reichen würde. Doch „Zappel-Philipp, Paulinchen und Hanns Guck-in-die-Luft. Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen hat mich vom Gegenteil überzeugt. An modernen Schnittmengen fehlt es auch 175 Jahre nach der ersten Version von Heinrich Hoffmann beileibe nicht. Der dichtende und zeichnende Arzt hatte die Geschichten für seine Kinder erfunden und die fanden bereits ein Jahr später durch denVerleger Zacharias Löwenthal, der 1845 eine erste Buchausgabe drucken ließ, einen furiosen Eingang in den Buchmarkt, heute sind sie fest im kulturellen Gedächtnis verankert und das beileibe nicht nur im Land der Dichter und Denker.

Also hinein in den ersten Raum, der auch die englische Übersetzung von Mark Twain präsentiert. Hinter mir hängt ein Junge mit einer Knarre und zielt auf mich. Ne, das ist nicht Hoffmann, das ist von Angela Bugdahl und aus ihrer Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft (2007) und wenn man noch einmal hinschaut, blöd – das ist keine Knarre, sondern nur ein Handy. Auch das Urmanuskript ist auf dieser Ebene zu finden. 1846 gemacht für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Schnell verband man das Büchlein mit schwarzer Furcht-Pädagogik. Endlose Kritik wabbert zu Recht durch die Jahrzehnte, denn Angst um abgeschnittene Daumen oder wegen des stürmischen Wetters sollten Kinder vor dem Schlafengehen nicht haben. Dennoch, der Mythos wuchs und die Figur des strubbeligen Jungen von Titelbild veränderte sich ständig. So tauchte schon 1950 die Struwwelliese auf, 1970 F.K. Wächters „Antistruwwelpeter“ und 2013 dann „die Geschichte von den bösen Buben“ von Luise Bofinger, die die Geschichte von den schwarzen (ja eigentlich braunen) Buben in die Jetztzeit transportierte und die bei ihr von Niklas in den Abfalleimer getaucht werden.

Viele dieser Adaptionen werden mit Originalzeichnungen dokumentiert, dazu gibt es eine Vitrine mit Originalausgaben aus aller Welt von 1854 bis 2008. Die glänzende Übersichtsschau endet vor der Glotze mit Jan Böhmermanns Struwwelpeter-Film von 2018. Dann lieber die Junk Opera von den Tiger Lillies.

Der Struwwelpeter | bis 12.1. | Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen | 0208 412 49 28

PETER ORTMANN

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