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Hat den Durchblick: Anna Maria Scholz aka Anna Mateur
Foto: David Campesino

Deprimierende Weihnachtslieder

30. November 2017

Jochimsen, Anna Mateur, Frittrang, Badey und Zingsheim – Komikzentrum 12/17

„Vier Kerzen für ein Halleluja“ entzündet am 16. Dezember der 1970 in München geborene Allroundkünstler Jess Jochimsen in der Vorweihnachtszeit auf der Bocholter Bühne Pepperoni/Textilwerk. Dabei kann der Allroundkünstler nicht nur Ziehharmonika und Xylophon spielen, Bücher schreiben („Bellboy oder: ich schulde Paul noch einen Sommer“, „Abschlussball“) und in der deutschen Provinz deprimierende Dias machen, die ihresgleichen suchen. Zudem singt Jochimsen auch traurige Weihnachtslieder, wie zum Beispeil die herzzerreißende „Hommage and die Depression“, die er mit einer Westerngitarre begleitet.

Entschieden komischer: die aus Dresden angereiste Anna Maria Scholz aka Anna Mateur. Wie die Sängerin – zusammen mit ihren musikalischen Außensaitern – am 15. Dezember im Bochumer Bahnhof Langendreer das „Protokoll einer Disko“ persifliert, ist nicht nur sehr witzig, sondern auch ganz schön gemein. Mit wenigen verführerischen Dessous bekleidet, dreht und wendet sie sich scheinbar nonchalant, aber höchst bühnenwirksam, um schließlich wenig elegant auf dem Boden zu landen. Eine Performance, die es nicht zuletzt wegen des fulminanten Organs der mehrfach preisgekrönten Sängerin in sich hat.

An selber Stelle zeigt Götz Frittrang am 3. Dezember in seinem neuen Programm „Götzseidank“ welche Vorteile das Älterwerden hat: Endlich darf man sich über idiotische Teenager lustig machen. Oder von der neuen Volkskrankheit Phantomvibrieren erzählen. Denn das kann Frittrang am besten: leichthin daher plaudern, dass einem Hören und Sehen vergeht. Selbst der größte Unsinn hat bei ihm Hand und Fuß. Man muss sich nur darauf einlassen und wird mit einem kurzweiligen Abend belohnt.

Im Dezember gastieren zwei ebenfalls außergewöhnliche Künstler im Dortmunder Cabaret Queue: die in Oberhausen geborene Andrea Badey mit „Oh, die Fröhliche“ und Martin Zingsheim mit seinem neuen Programm „Aber bitte mit ohne“. Letzter verzichtet aufs  Wesentliche: das gesprochene Wort. Der 31-Jährige hat tatsächlich einiges zu sagen, beziehungsweise, er lässt ordentlich Dampf ab. Mal bezeichnet er sich selbst als Mental-Veganer und eingeschweißte Gurken als Latex-Freaks oder so etwas ähnliches, ein andermal untersucht er den Zusammenhang von Sport und Denken und Essen. Schließlich landet er bei paradoxen Interventionen, schlechter Laune beim Kochen und Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums.

Badey wiederum richtet ihr Augenmerk auf die Weihnachtsflüchtigen und verspricht ihnen gut gelaunt: für immer Weihnachten. Dem schließe ich mich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen und vielen guten Wünschen für das kommende Jahr an – Ihre stets über Tage lebende

Jess Jochimsen: „Vier Kerzen für ein Halleluja“ | Sa 16.12. 20 Uhr | Bühne Pepperoni/Textilwerk, Bocholt | www.buehne-pepperoni.de

Anna Mateur: „Protokoll einer Disko“ | Fr 15.12. 20 Uhr | Bahnhof Langendreer, Bochum | www.bahnhof-langendreer.de

Götz Frittrang: „Götz Sei Dank“ | So 3.12. 19 Uhr | Bahnhof Langendreer, Bochum | www.bahnhof-langendreer.de

Andrea Badey: „Oh, die Fröhliche“ | Sa 2.12. 20 Uhr | Cabaret Queue, Dortmund | www.cabaretqueue.de

Martin Zingsheim: „Aber bitte mit ohne“ | So 17.12. 19 Uhr | Cabaret Queue, Dortmund | www.cabaretqueue.de

ANNE NÜME

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