„Wie verändert sich künstlerische Praxis unter digitalen Bedingungen? Und wie lassen sich lokale Kontexte mit internationalen Perspektiven verbinden?“, fragt die Ankündigung zur diesjährigen Ausgabe des Festivals Blaues Rauschen. Die Antwort geben 22 Konzerte und zwei Klanginstallationen zwischen elektronischer Avantgarde und frei improvisierter Musik, zwischen hörbarer Stille und durchdringenden Beats. Das Festival findet in acht Städten an elf Orten statt und löst damit ein, was Politiker seit Jahrzehnten nicht schaffen: Die Metropolregion Ruhr als Ganzes mit ihren verschiedenen Facetten darzustellen. Das Konzept geht auf: Die Besucherzahlen stiegen zuletzt stetig und das Publikum wurde immer jünger.
Den Auftakt in der Essener Szene 10 machen am 29. Mai Basak Günak, Christian Rosales Fonseca und Nadia Struiwigh. Hier geht es darum, „Sound als Archiv, als Widerstand und als existenzielle Bewegung begreifen“. Am 3. Juni begegnen sich im Alten Wartesaal im Herner Bahnhof mit Robin Moedder, Thomas Machoczek, Farzané und Molly Joyce Künstler, die die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Technologie und Umwelt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.
Der Wahlberliner Ignaz Schick hat ursprünglich Saxophon gelernt und war unter anderem mit dem legendären Trompeter Don Cherry auf Tour. Am 10. Juni zeigt er im Essener Grillo-Theater, wie man den Plattenspieler als eigenständiges Instrument einsetzt und als Klangkörper nutzt. Den Abend eröffnen Xiao Fu und Andzejus Voroneckis mit „Fluidity“ und Burgund T Brandt mit „Between Distances“ – hier geht es je um das Zusammenspiel von Choreografien und Klängen im Zeitalter von KI.
Zum Abschluss spielen im Dortmunder Domicil drei Acts, die noch einmal die Bandbreite des Festivals abbilden. Der gebürtige Bochumer Georg Graewe gehört zu den gefragtesten Pianisten in der improvisierten Musik, sein Grubenklangorchester ist über das Ruhrgebiet hinaus bekannt. In Dortmund trifft er auf Thomas Lehn, einen virtuosen Improvisatoren auf dem analogen Synthesizer und Minimoog. Weitere Künstler an dem Abend: die Multimedia-Künstlerin Merche Blasco und Robert Lippok, der in seinem Projekt „Material“ mit zeitlichen, räumlichen und klanglichen Verschiebungen arbeitet.
Blaues Rauschen | 29.5. – 12.6. | div. Orte im Ruhrgebiet | www.blauesrauschen.de
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