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Ausstellungsansicht, © Ruhr Museum
Foto: Deimel + Wittmar

„Wir teilen uns alle einen Himmel“

27. April 2017

Andy v. Oppenkowski, künstlerischer Leiter in der Kreuzeskirche, über die Ausstellung „Der geteilte Himmel“ – Sammlung 05/17

Das Forum Kreuzeskirche, das Martin Luther Forum Ruhr und das Ruhr Museum auf Zollverein veranstalten in Essen im Reformationsjahr ein großes Veranstaltungsprogramm.

trailer: Ist die heilige Dreiteilung der Ausstellung „Der geteilte Himmel“ im Lutherjahr Zufall?
Andy v. Oppenkowski:
Es ist gar keine dreigeteilte Ausstellung. „Der geteilte Himmel“ ist ein Gesamtprojekt von drei Partnern. Entstanden ist das Projekt überhaupt erst auf einer Ausstellungsidee vom Ruhr Museum, die kamen und sagten, wir machen eine Ausstellung über die religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr. Wie haben dann gesagt, daraus machen wir mit dem Martin Luther Forum in Gladbeck und dem Forum Kreuzeskirche ein Gesamtprogramm. In der Kreuzeskirche ist unser Schwerpunkt die Kirchenmusik plus die Zusammenarbeit mit dem Essener Kulturwissenschaftlichen Institut und den Unis. Da wird es Podiumsdiskussionen, Tagungen zum Thema und auch Ausstellungen geben. Im Martin Luther Forum liegt der Schwerpunkt ganz klar auf Wortveranstaltungen, auf Tagungen, Diskussionen, Vortragsabenden, aber auch Theateraufführungen.

Und der Ausstellung von Andreas Völcker.

Andy v. Oppenkowski
Foto: Maxi Braun
Zur Person
Andy v. Oppenkowski hat 2007 die Leitung der Essener Kantorei übernommen und ist seit 2010 Kantor an der Kreuzeskirche und künstlerischer Leiter des Forum Kreuzeskirche. Als Organist wird er zu Konzerten in Deutschland und ins Ausland eingeladen.


Die Ausstellung von Andreas Völcker bezieht sich ja explizit auf das Glaubensbekenntnis. Das ist auch ein Herzensanliegen unseres Schirmherrn Norbert Lammert, der zusammen mit Andreas Völcker ein Buch über genau diese Bilder, die dort ausgestellt werden, herausgegeben hat. Darin hat er eigene Texte zum Glaubensbekenntnis geschrieben. Das ist auch ein Schwerpunkt innerhalb des Gesamtprojekts.

Und der Bundestagspräsident kommt auch selbst und liest?
Ja, natürlich.

Über 250 religiöse Gemeinschaften allein im Revier, vor 500 Jahren sah das noch ein bisschen anders aus.
Vor 500 Jahren war das auch ein großer Flickenteppich. Wir reden natürlich bei der Reformation als Schwerpunkt von den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Und das ist im Vergleich natürlich etwas anderes gewesen als hier. Der Blick geht dann natürlich bis in die Niederlande mit Predigern wie Erasmus von Rotterdam. Hier ist natürlich auch schon viel passiert. Aber nicht so stark lutherisch geprägt.

Dafür waren die Auseinandersetzungen aber auch handgreiflich?
Die Auseinandersetzungen waren extrem handgreiflich. Wenn man zum Beispiel an das Täuferreich in Münster denkt, die in der Zeit eine ganz militante und aggressive reformatorische Gruppe waren, die dann allerdings ebenso blutig und schnell wieder niedergeschlagen wurde. Aber das war extrem aggressiv alles.

Ist die Ausstellung im Ruhr Museum mit tausend Exponaten eher eine Übersichtsschau oder mehr historische Begleitung?
Beides. Es ist vor allem das Herzstück des gesamten Projekts. Sie zeigt einerseits die religiöse Vielfalt, die hier in der Region stattfindet, aber andererseits auch den Aspekt des doppelten Wortsinns. Der geteilte Himmel in Form von Trennung und der geteilte Himmel in Form von: Wir teilen uns alle einen Himmel.

Apropos Himmel – ist das heute überhaupt noch ein Sehnsuchtsort?
Ob es speziell der Himmel ist? Ja, ich glaube, dieses Wort steht immer noch für einen Sehnsuchtsort. Wie der dann definiert wird, ist natürlich höchst subjektiv.

Dafür ist Luther nach 500 Jahren eher zur Pop-Ikone geworden?
Man konnte nichts Intelligenteres tun als mit Luther für das Reformationsjahr zu werben. Das ist einfach die Person, die alle sofort im Kopf haben. Jeder, der sich die Historie etwas genauer betrachtet, weiß aber, dass die Wege für Luther 100 bis 200 Jahre vor ihm bereits massiv gelegt wurden. Und das für ihn auch glückliche Umstände zusammenkamen, sowas auszulösen. Heute ist er eine Person, die natürlich viel bewegt hat, die aber auch extrem kritisch gesehen wird – zum Glück.

Aber er bleibt eine plakative Figur?
Auf jeden Fall.

Der Himmel heute ist nicht nur in zwei christliche Teile geteilt, sondern er hat ganz viele Facetten, wird das mittransportiert?
Das wird auf jeden Fall mittransportiert. Im Ruhrmuseum werden ganz viele andere Religionen mitbedacht, ob es die Juden sind, die Moslems, alles kommt vor.

Die authentische Musik der Zeit und Luther-Sound gibt’s aber nur in der Kreuzeskirche?
Das ist auf jeden Fall ein besonderer Sound, weil man damals ein ganz anderes Instrumentarium hatte. Wir wissen ja, dass Luther Musik sehr am Herzen lag und dass er selber musikalisch sehr gebildet war – er hat nicht nur getextet, sondern auch dazu komponiert. Deshalb verdanken wir ihm unendlich viele Lieder und wir haben gleich zwei Konzerte, einmal mit dem Knabenchor aus Hannover, wo die Verbindung bis zum Jazz geschlagen wird und im Sommer noch mit einem Extra-Ensemble für alte Musik, wo die zu hören sein werden.

Und wie ist das Interesse für solche Veranstaltungen?
Das Interesse ist meistens sehr hoch bei solchen Veranstaltungen. Weil das schon wieder so exotisch ist, dass die Leute das unbedingt mal hören wollen, wie das denn geklungen hat.

„Der geteilte Himmel“ | bis 31.10. | diverse Orte | www.der-geteilte-himmel.de

Interview: Peter Ortmann

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