trailer: Herr Henke, welche Risiken und Nebenwirkungen hat die Anstellung von Ärzten aus Südeuropa?
Rudolf Henke: Es gibt staatliche Regeln, die dafür sorgen, dass keine Ärztin und kein Arzt aus dem Ausland hierzulande eine Approbation erhält, wenn er nicht zuvor seine fachlichen wie sprachlichen Qualifikationen nachgewiesen hat. Diese Regeln werden in den verschiedenen Bundesländern aber unterschiedlich umgesetzt. Teilweise wird noch unterschätzt, wie wichtig es für eine hohe Qualität in der Patientenversorgung ist, sich sprachlich ausdrücken zu können.
Der Mediziner spricht nicht grundsätzlich Latein?

Nein, der Mediziner muss ganz unterschiedlich kommunizieren. Er muss mit Patienten und Angehörigen allgemein verständlich reden können. Ferner muss ein Arzt natürlich auch Fachärzten medizinische Befunde fundiert mitteilen. Bei der Korrespondenz mit Kostenträgern ist ebenfalls ein klarer sprachlicher Ausdruck unverzichtbar.
Bezüglich der fachlichen Qualifikation gibt es keine Probleme?
Im Vorjahr ist das Gesetz zur Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen in Kraft getreten. Es hat inzwischen rund 30.000 Anträge gegeben. Etwa 20.000 dieser Anträge entfallen auf Gesundheitsberufe. Bei den Ärzten hat man bei gut der Hälfte der Antragsteller die volle Gleichwertigkeit bescheinigt. Bei etwa 26 Prozent wurden Auflagen erteilt. Die Approbation kann dann nach weiteren Qualifizierungsmaßnahmen erfolgen.
Warum gibt es hierzulande zu wenige Ärzte?
Früher war ein Arzt immer im Krankenhaus, auch spät abends und an Wochenenden. Ärzte stellten ihre ganze Arbeitskraft bis zum Umfallen zur Verfügung. Dies hat sich erfreulicherweise geändert, weil der Gesetzgeber mittlerweile tägliche und wöchentliche Höchstgrenzen für Arbeitszeiten erlassen hat. Die Wochenarbeitszeit von Krankenhausärzten ist dadurch von einst 80 auf heute meistens 50 bis 60 Stunden gesunken. Die ehemalige Gesundheitsministerin Schmidt hat die hier beschriebene Entwicklung leider nicht zur Kenntnis genommen.
Es müssten doch nur genug Mediziner ausgebildet werden.
Wir haben schon heute einen Ärztemangel. Es fehlen uns derzeit rund 12.000 Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Kliniken. Der Bedarf an medizinischen Leistungen wird in unserer Gesellschaft des längeren Lebens noch weiter steigen. Für das Medizinstudium haben wir seit vielen Jahrzehnten eine Zulassungsbeschränkung, auch deshalb, weil der Studiengang sehr kostenintensiv ist. Ich befürworte eine Erweiterung der bestehenden Fakultäten und Gründung neuer Standorte.
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