Seine Stimme klingt ein bisschen wie die von Benedict Crumberbatch – voll, tief und sie durchdringt den ganzen Körper. „Amazing Grace“ ist das Eröffnungslied im Grammatikoff in Duisburg. Nur ist nicht der Londoner Schauspieler zu Gast, sondern TV Noir-Star Dennis Dirksen, besser bekannt unter dem Namen Tex.
Pünktlich um 19 Uhr öffnen sich die Tore der Dusiburger Szenebar, es spielt beruhigende, fast schon meditative Hintergrundmusik – gleich es geht sicherlich los. Eine halbe Stunde später ertönen erste verzagte Klatscher, um den Star des Abends endlich auf die Bühne zu holen, doch der einzige, der nach einiger Zeit erscheint, ist der Techniker, der einige Kabel richtet. Gegen acht Uhr merkt man deutlich die Ungeduld im Publikum, ein Gast wagt sogar den Ruf „Wann geht es denn endlich los hier?“. Nach einer guten Stunde des Wartens ertönt dann plötzlich eine wunderbar dunkle Stimme aus dem Hintergrund, die ersten Töne von „Amazing Grace“ anstimmend. Die Stimme klingt kräftig und lässt einen die lange Wartezeit direkt vergessen.
Schnell ist man gefangen in der Mischung aus Lesung, Musik und Performance. Tex verströmt eine wahrlich beruhigende Stimmung, lässt einen die Alltagssorgen vergessen und eintauchen in die Welt des libanesischen Poeten Khalil Gibran. Dieser verfasste im Jahre 1923 das Werk über den Propheten al-Mustafa, der über all das erzählt, was die Menschen bewegt. So ist der Siegeszug des Buches zu erklären, der bis heute anhält und Orient und Okzident ein wenig näher zusammengebracht hat.
Tex versteht es, der Aussage des Werkes gerecht zu werden. Neben der Gitarre ist es das Klavier, mit welchem er die Worte des libanesischen Poeten zum Leben erweckt. Da ist die Liebe, die den Menschen „erst krönt, dann kreuzigt“, den Menschen „geschmeidig macht, um ihn dann dem heiligen Feuer zu weihen, damit er heiliges Brot wird für Gottes heiliges Mahl“. Abgerundet wird das Wechselspiel zwischen eigenen, von Tex komponierten Liedern und den Texten des libanesischen Poeten durch visuelle Elemente. So führt er sein Publikum durch den Abend, interagiert mit aus TV Noir bekannten Musikern auf der Leinwand wie Alin Coen oder Max Prosa und lässt am Ende einen Besucher zurück, der sich ein Stückchen klüger und irgendwie erleuchtet fühlt. Dass Wissenschaft und Musik zusammenpassen, sich in einer visuell-erfrischenden Performance miteinander verbinden können, beweist der TV Noir-Star und diplomierte Mathematiker mit viel Fingerspitzengefühl. Das Warten zu Beginn hat sich gelohnt.
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