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Michail Bulgakow: Meister und Margarita

Nitzberg zündet Bulgakow

14. Dezember 2012

„Meister und Margarita“ in prachtvoller Neuübersetzung - Literatur 12/12

Es gibt Bücher, die scheinen aus der ewigen Legende ihrer Großartigkeit zu bestehen. „Meister und Margarita“ ist so ein Roman, der seit seiner Entstehung in der dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als das zentrale Werk der modernen Russischen Literatur gilt. In den deutschen Übersetzungen war diese Faszination für ein Buch, um das sich einhellig die literarische Opposition in Moskau und St. Petersburg aber auch die Jugendlichen, die Mystiker und die Satanisten scharten, nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen.

Jetzt legt Galiani Berlin - ein Verlag, der immer für eine Überraschung gut ist - den kompletten Roman in der Übertragung von Alexander Nitzberg vor. Zwar bleibt Felicitas Hoppe in ihrem Nachwort eher wohltemperiert als begeistert, dafür zieht Alexander Nitzberg in seinen Notizen zum Roman den ganzen Hintergrund dieses Werkes auf, das seit seiner Fertigstellung 1940 die Russen beschäftigt. Bulgakow verwebt verschiedene Handlungsstränge miteinander. Da gibt es den Teufel, der wie eine Mischung aus Goethes Mephisto und Batman als mächtige, aber nicht allmächtige Figur durch Moskau gleitet. Der „Meister“ wird so genannt, weil er offenbar ein begnadeter Liebhaber war, jedenfalls nennt „Margarita“ ihn nur so. Er ist ein Schriftsteller, der an einem Roman über Pontius Pilatus schreibt, der in Russland angesiedelt ist. Die Erzählung stellt selbst einen Teil des Romans dar, der seinen Esprit auch durch die verliebte Margarita erhält, die zur Ballkönigin werden soll, sich jedoch als Hexe ausgezeichnet macht.

Nitzberg zündet die Begeisterung auch für Deutsche Leser, da sich unter seiner Hand der Roman in ein Werk faszinierend unterschiedlicher Stimmen verwandelt. Gleich einem kraftvoll dahinströmenden Fluss trägt einen Bulgakows Prosa wie von selbst mit sich fort. Ständig wird geredet, eins geht ins andere über und es entwickelt sich mitunter eine unerhörte Komik. Frisch klingt diese Prosa und sehr gegenwärtig. Eine zusätzlich ironische Note enthält sie, weil Bulgakow im Hintergrund der Moskauer Szenerie Stalins Anwesenheit durchscheinen lässt, an deren Stelle tritt heute eine Ahnung von Putins Allgegenwart. Ein Roman, mit dem man lustvoll in die Moskauer Welt eintauchen und sich darin verlieren kann.

Michail Bulgakow: Meister und Margarita. Deutsch von Alexander Nitzberg. Verlag Galiani Berlin. 606 S., 29,99 €

Thomas Linden

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