Wenn Verena Hinze damit Recht hat, dann ist ihr kleines Atelier in diesem Moment nicht nur der engste, sondern auch der zauberhafteste Ort in Essen-Rüttenscheid. „Der Legende nach hat man einen Wunsch frei, wenn man tausend Papierflieger gebaut hat“, erzählt sie stolz den BesucherInnen, die sich in ihren Laden drängen. Über ihren Köpfen: Liebevoll zusammengefaltete Papierflieger, die von der Decke herunterhängen. Auf den Schränken stehen Figuren aus Pappmaché. Eine kleine Welt aus Papier.
Kommunikationsdesign für individuelle Ansprüche, heißt die Idee. Denn Kunden kommen zunächst auf Hinze zu, wie die Designerin erklärt: „Ich überlege mit jedem Einzelnen, welche Wünsche er oder sie hat.“ Zuletzt hat sie etwa eine Schachtel gebastelt. „Gartenzauber“, nennt sie es. Drinnen stecken kleine Requisiten, die zu den Persönlichkeiten passen sollen. Denn die Kunst aus Papier soll sich eben besonders gut als persönliches Geschenk eignen.

Über 320 KünstlerInnen an 145 Standorten
Aber Verena Hinze ist nicht die einzige, die an diesem Septemberwochenende ihre Werke vorstellt. Zum bereits 19. Mal in Folge öffnen mehr als 320 KünstlerInnen in Essen ihre Ateliers. Bei der Kunstspur erhalten Interessierte einen Einblick in Kulturwerkstätten, die sonst privat und verschlossen sind. Die Route führt durch das gesamte Stadtgebiet: Während es am 16. und 17. September mit dem Essener Süden losging, öffnen am Wochenende darauf die KünstlerInnen im Norden ihre Pforten. Und die insgesamt 145 Standorte sind genauso vielfältig wie die Kunstwerke: Fotografien, Malerei, Installationen, Skulpturen und vieles mehr.
Hans-Jürgen Kötter hat sich auf Design und Raumobjekte aus Stahl oder Metall spezialisiert. Auch in seiner Werkstatt wird auf Wunsch produziert: „Es ist hier so, dass die Leute mit Ideen kommen und wir machen das dann.“ Seitdem sind auch außergewöhnliche (Gebrauchs)Gegenstände entstanden. Etwa ein mit Motorsteuerung betriebenes Bett, das sich dreht. „Das geht von gemütlich bis Karussell“, versichert Kötter.
Auch der US-Präsident nahm einen Metallbaum mit
Am Anfang hat der einstige Grafik-Studien-Absolvent der Folkwang-Hochschule vor allem Metallbäume geschweißt. Und die erfreuten sich großer Beliebtheit. Auch als Präsente auf Sportveranstaltungen oder hochrangigen Staatsbesuchen. So durfte sich auch der damalige US-Präsident Jimmy Carter freuen. „Der kriegte damals auch einen Baum mit nach Amerika.“ Ohne den neuesten Selfie-Hype wären dagegen viele der Bilder von Marion Eyl nie entstanden. Schnappschüsse, ungestellt und aus dem Moment heraus – das ist es, was Eyl begeistert. Dabei ist sie gar nicht Fotografin, sondern entwirft diese Bilder auf eigene Weise mit Ölfarbe neu. Die Porträts in ihrem Atelier sind reduziert: Der Hintergrund fällt weg und auch die Farbe ist stark gesättigt, fast schwarz-weiß. Der ästhetische Effekt: eine starke visuelle Betonung der Augen. „Der Betrachter wird dadurch zum Betrachteten“, erklärt sie. Wenn Kunden zunächst mit Porträtwünschen auf sie zukommen, macht sich die Künstlerin an die Arbeit. „Ich suche mir Fotos aus, die ich interessant finde und dann interpretiere ich diese“, gibt sie einen Einblick. Kunst nach Wunsch eben.
Am nächsten Wochenende (23./ 24.9.) geht es weiter. Dann öffnen ab 15 Uhr die KünstlerInnen im Essener Norden ihre Ateliers.
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