
Waves
USA 2019, Laufzeit: 136 Min., FSK 12
Regie: Trey Edward Shults
Darsteller: Kelvin Harrison Jr., Taylor Russell McKenzie, Sterling K. Brown
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Spektakuläres Familiendrama mit überraschender Wendung
Ebbe und Flut
„Waves“ von Trey Edward Shults
Tyler (Kelvin Harrison Jr., „12 Years a Slave“) ist erfolgreich und beliebt an seiner Schule. In der Ringermannschaft ist er der Star, zusammen mit seiner hübschen Freundin sind sie dort das Vorzeigepaar. Auch Tylers Vater (Sterling K. Brown, „Black Panther“) ist mächtig stolz auf seinen Sohn. Der Vater hat es aus eigener Kraft zu respektablem Wohlstand gebracht. Von Tyler und seiner jüngeren Schwester Emily (Taylor Russell) erwartet er den gleichen Ehrgeiz, der ihm seinen Wohlstand gebracht hat. Als ein Arzt Tyler nach heftigen Schmerzen in der Schulter dringend vom Training abrät und zu einer Operation rät, verschweigt er das seinem Vater und macht einfach weiter – notfalls mit Schmerzmitteln. Doch der Druck wirft ihn zunehmend aus der Bahn. Als auch noch seine Freundin mit einer für ihn sehr unangenehmen Nachricht kommt, läuft sein Leben endgültig aus dem Ruder und Tyler begeht einen fatalen Fehler.
„Waves“ ist der dritte Kinofilm von Regisseur Trey Edward Shults. Zuvor hatte der ehemalige BWL-Student die Uni verlassen, um bei dem Regisseur Terrence Malick als Praktikant für dessen Filme „The Tree of Life“, „Song to Song“ und „Voyage of Time“ zu arbeiten. 2015 realisierte Shults sein autobiografisch geprägtes Debüt „Krisha“. Daraufhin entstand der Horrorfilm „It Comes at Night“, der jedoch eher ein klaustrophobisches Familiendrama ist. Auch hier tauchen wieder autobiografische Elemente aus Shults Familienhintergrund auf. „Waves“ ist wieder ganz offensichtlich ein Familiendrama, bei dem sich ästhetisch vor allem im ersten Teil sehr deutlich der Einfluss von Terrence Malick zeigt. Dessen durch sehr dynamische Kamerafahrten, Unschärfen und Verfärbungen Subjektivität suggerierende, mitunter kitschige Bilder prägen „Waves“ deutlich. Shults fügt dem ein großes Maß an Pop hinzu, was wiederum an Harmony Korines Versuch erinnert, in „Spring Breakers“ eine deliriöse Stimmung jugendlicher Exzesse abzubilden.
Unterstrichen wird diese Ästhetik durch einen psychedelischen Einsatz der Filmmusik von Trent Reznor (NineInchNails) und Atticus Ross und einem mit Hall in Schichten übereinandergelegten Soundtrack von Kendrick Lamar, Animal Collective, Frank Ocean, Kanye West, Tame Impala oder Radiohead. Ton- und Bildebene sind derart überfrachtet, dass es den guten Darstellern mitunter schwerfällt, sich dagegen zu behaupten. Doch im zweiten, deutlich ruhigeren Teil, der anstelle von Tyler dessen Schwester Emily und ihren Freund Luke (Lucas Hedges, „Lady Bird“) in den Fokus rückt, findet der Film sein Gleichgewicht und entlohnt mit einer hoffnungsvollen Tiefe, die sich gegenüber allen ästhetischen Schnörkeln behaupten kann. Ein „Rhythmus wie Ebbe und Flut“, so Shults. Und noch etwas: Wie in der britischen Erfolgsserie „Sex Education“, deren Figur Jackson der des Tyler ähnelt, ist Ethnie in „Waves“ kein Thema. Viele der Protagonisten sind schwarz, aber das spielt für die Handlung keine Rolle. Weder hat die Hauptfarbe klischeehafte Zuschreibungen zur Folge noch wird sie im Film von den Figuren groß thematisiert. Das ist ungewöhnlich... und befreiend.

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