
Nathalie - Wen liebst du heute Nacht?
F 2004, Laufzeit: 106 Min., FSK 16
Regie: Anne Fontaine
Darsteller: Fanny Ardant, Emmanuelle Béart, Gérard Depardieu, Judith Magre, Wladimir Yordanoff, Rodolphe Pauly, Idit Cebula
Darstellerisch herausragendes Ehedrama
Die Waffen der Frauen
"Nathalie..." von Anne Fontaine
Den Franzosen hängt nicht von ungefähr der Ruf der leidenschaftlichen Romantiker an. In ihren Filmen wird Erotik immer wieder aufs Neue thematisiert, sei es nun in expliziter Direktheit oder als Nährboden für ein dialoglastiges Kopfspiel wie in diesem Fall. Regisseurin Anne Fontaine setzt in “Nathalie…” auf die Erotik im Kopf, die Seitensprünge Bernards werden lediglich auf der verbalen Ebene vermittelt.
Man könnte meinen, dass dadurch die weibliche Sicht auf ein die Menschheitsgeschichte bestimmendes Thema eingenommen wird. Doch Fontaine verfolgt mit diesem Konzept noch ein ganz anderes Ziel, das sich als gedachter Coup des Films herausstellt, dessen Geheimnis sich jedoch schon viel zu schnell offenbart, als dass man über das Ergebnis auf die gleiche Weise überrascht sein könnte wie die Protagonistin. Schon nach der ersten halben Stunde liegen die Karten auf dem Tisch und man wartet nur noch darauf, dass auch Catherine das Spiel durchschaut. Insgeheim wünscht man sich natürlich, dass Anne Fontaine noch ein As im Ärmel hat – leider ist dem aber nicht so.
Trotzdem ist der Film zweifellos unterhaltsam, immerhin kann er mit Fanny Ardant als Catherine, Emmanuelle Béart als Nathalie und Gérard Depardieu als Bernard drei der größten französischen Stars in den Hauptrollen vorweisen, die nicht nur einen großen Namen, sondern auch ein überzeugendes darstellerisches Talent zu bieten haben. Wie die beiden Altstars schon in den ersten gemeinsamen Einstellungen ein Paar vorführen, dessen Leidenschaft längst erloschen ist und dessen Ehe sich einer bitteren Routine ermächtigt hat, ist schon grandios. Und in Emmanuelle Béart hat Fontaine genau die Richtige gefunden, um Nathalies Charakter zwischen Verruchtheit und Anschmiegsamkeit adäquat Gestalt annehmen zu lassen. Allein das Spiel der drei Stars schafft es, die sich ansonsten nur mühsam ihrem Endpunkt nähernde Geschichte kurzweilig zu gestalten.
(Frank Brenner)

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