Mondkalb
Deutschland 2007, Laufzeit: 102 Min., FSK 12
Regie: Sylke Enders
Darsteller: Juliane Köhler, Axel Prahl, Leonard Carow, Ronald Kukulies, Niels Bormann, Udo Schenk, Gabrielle Ertmann, Isabelle Etmann
Eine aus dem Gefängnis entlassene Frau versucht in der ostdeutschen Provinz zu sich selbst zu finden – und trifft auf einen Mann und seinen 12jährigen Sohn, die den Selbstmord der Frau und Mutter nicht verwinden können.
Mit ihrem authentischen Sozialdrama um eine 16jährige Berliner Kiezgröße feierte Sylke Enders 2003 ein gelungenes Spielfilmdebüt, wurde für „Kroko“ sogar mit dem „Deutschen Filmpreis in Silber“ ausgezeichnet. Nun spielt in „Mondkalb“ wieder ein Heranwachsender eine wichtige Rolle in einem schicksalshaften Personen-Dreieck. Es ist der 12jährige Tom, der sich wie eine Klette an Alex hängt, die im Haus ihrer Großmutter eigentlich zur inneren Ruhe kommen wollte. Leonard Carow spielt diesen leicht verhaltensgestörten und liebesbedürftigen Jungen mit einer Intensität, die einem richtig nahe geht. Wie schon in „Kroko“ erweist sich Sylke Enders auch hier als ausgezeichnete Schauspielführerin. Ihr gelingt es sogar, Axel Prahl aus seinem Image als „Ost-Proll“ zu befreien. Auch wenn er als Piet manchmal allzu aufdringlich um Alex Liebe buhlt, bleibt er doch immer liebenswürdig und voll versteckter Sensibilität. Juliane Köhler verleiht ihrer Alex mehr mit Blicken und Gesten Kontur. Und schon in ihren äußeren Verhaltensweisen spiegeln sich die Seelenzustände der drei Protagonisten, die so gerne zusammen kommen möchten, aber letztlich nicht aus ihrer Haut können. Zu tief sind die Wunden, die sie mit sich herumtragen, zu verschiedenen ihre Lebensentwürfe. Enders Inszenierung vermittelt uns diese Gegensätzlichkeiten auch über eine die Stimmung der Charaktere aufgreifende Lichtsetzung, differenzierte Kameraeinstellungen und einen die Emotionen unterstützenden Soundtrack. Das ergibt für Momente großes, dramatisches Kino, dem man gerne zuschaut. Und doch fällt es einem schwer, ganz in die Geschichte einzutauchen, weil die Besetzung der beiden Hauptrollen einfach nicht zusammenpassen will. Trotz der individuellen schauspielerischen Leistungen von Juliane Köhler und Axel Prahl glaubt man in keiner Sekunde, dass sich je einer in den anderen verlieben würde. Deshalb verlässt man innerlich diese beiden Figuren schon bald und erfreut sich an den prägnant gezeichneten Nebenfiguren wie Alex fürsorglichem Chef, der immer ein aufmunterndes Wort für sie übrig hat, und an Piets schrulligem Nachbarn Mirko, der zu alten Schlagermelodien allein durch seine Wohnung tanzt.
(Rolf-Ruediger Hamacher)

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