
Blue Moon
USA 2025, Laufzeit: 100 Min., FSK 12
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Andrew Scott, Bobby Cannavale
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Brillant gespieltes Kammerspiel über Musical-Ikone Lorenz Hart
Broadway intim
„Blue Moon“ von Richard Linklater
In einem geschlossenen Raum spielende Filme haben im amerikanischen Kino eine lange Tradition, darunter „Die zwölf Geschworenen“, „Glengarry Glen Ross“ über die Makler-Blase und „Mein Essen mit André“ mit zwei Theatermachern in einem New Yorker Restaurant. In „Blue Moon“ finden wir uns jetzt in Sardi’s Bar am Broadway wieder. Es ist der Abend des 31. März 1943, an dem das Musical „Oklahoma“ seine Premiere feiert. Während alle wegen des überwältigenden Erfolgs fröhlich an den Tresen stürmen, schiebt einer Frust: Dem Songtexter Lorenz Hart ist nicht zum Feiern zumute. Sein langjähriger musikalischer Partner, der Komponist Richard Rodgers, hat ihn zum ersten Mal durch einen anderen Texter ersetzt, Oscar Hammerstein II. An diesem Abend ahnt Hart nicht, dass es der Anfang vom Ende ihrer erfolgreichen Partnerschaft ist. Denn Rodgers (Andrew Scott, Preis als Bester Nebendarsteller auf der Berlinale 2025) holte ihn nur noch einmal zurück für eine mit neuen Songs aufgepeppte Wiederaufführung ihres ersten Broadway-Hits „A Connecticut Yankee“ (1927), die am 17. November 1943 ihre Premiere feierte. Fünf Tage später starb der schwer alkoholkranke Hart mit 48 Jahren an einer Lungenentzündung.
Mit Harts Zusammenbruch in einer verregneten Gasse beginnt Linklaters Film, während aus dem Off eine Radiostimme seinen Tod verkündet und noch einmal seine Hits Revue passieren lässt – von „Blue Moon“ über „My Funny Valentine“, „Isn’t it Romantic“ bis hin zu „The Lady Is a Tramp“. „Sieben Monate früher“ wird im Bild eingeblendet – und wir befinden uns in Sardi’s Bar. Während Hart (Ethan Hawke) auf die Premierengäste wartet, schüttet er dem Barkeeper Eddie (souverän: Bobby Cannavale) sein Herz aus, lobt sich in den höchsten Tönen und überzieht die Konkurrenz mit Spott. Er schwadroniert über die homosexuellen Subtexte in „Casablanca“ und die Schönheit halb erigierter Penisse. Er will nicht wahrhaben, dass ein solch sentimentales, Amerika verklärendes Cowboy- und Farmer-Musical wie „Oklahoma“ so gefeiert wird. „The corn is as high as an elephant’s eye“ (übers.: Der Weizen steht so hoch wie das Auge eines Elefanten) – „Was ist das denn für eine triviale Liedzeile?“, fragt er hämisch-provokativ. Innerlich zerreißt ihn nicht nur seine Trennung von Rodgers, deren Endgültigkeit er ahnt. Zutiefst verletzt ihn auch die unerwiderte Liebe zu der 20-jährigen Schauspielschülerin Elizabeth Weinland (mit engelhaftem Charme: Margaret Qualley), die in ihm nur einen Freund sieht. Ethan Hawkes pointierter wie berührender Schauspielkunst (gerade mit einer Oscar-Nominierung belohnt) ist es zu verdanken, dass wir ihm bei seinen Monologen und geistreichen Bemerkungen mit zahlreichen Anspielungen auf die amerikanische Musical-, Film- und Zeitgeschichte gebannt an den Lippen hängen. Wie schon mit seiner aktuell laufenden Hommage an den Aufbruch des französischen Kinos am Ende der 1950er Jahre („Nouvelle Vague“) erweist sich Linklater auch hier als origineller Filmemacher, der die Vorlage seines (ebenfalls Oscar-nominierten) Drehbuchautoren Robert Kaplow kongenial umgesetzt hat.

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