
Akiko – Der fliegende Affe
Deutschland 2023, Laufzeit: 70 Min., FSK 0
Regie: Veit Helmer
Darsteller: Benno Fürmann, Meret Becker, Philipp Droste, Heike Makatsch
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Kinderabenteuer mit Punk, Charme und Seele
Fang mich doch, du Eierkopf!
„Akiko – Der fliegende Affe“ von Veit Helmer
Nachdem wir uns in der Kritik zu „Quatsch und die Nasenbärbande“ bei Regisseur Veit Helmer („Absurdistan“, „Vom Lokführer, der die Liebe suchte“) noch dafür bedankt hatten, dass sein Nasenbär nicht spricht, lässt er in seinem zweiten Kinderfilm gleich eine ganze Schar an plappernden Vertretern aus dem Tierreich auf uns los. Aber das verstimmt uns mitnichten. Ganz im Gegenteil.
Während man im zeitgenössischen Blockbusterkino mit vielen Dollars fotorealistisch animierten Tieren „Leben“, aber wenig Seele einhaucht, setzt Helmer bewährt andere Prioritäten: Seine Animationen kommen mitunter vergleichsweise verschroben daher. Doch das ist hier grundsympathisch, denn er punktet dafür mit Originalität, Herz und Seele. Helmer macht keine Kinderfilme von der Stange. Veit Helmer serviert erneut einen Kinderfilm mit Punk-Attitüde.
Die Kinderclique des Vorgängers wird nun abgelöst von einer ganzen Bande an Tieren. Tatsächlich spielt diesmal nur ein Kind mit, und das ist auch bloß ein blöder Bengel, der Tiere ärgert: Er lässt sein ferngesteuertes Modellflugzeug auf die Affenfamilie im Zoogehege los. Kurzentschlossen setzt die Horde ihren Jüngsten, Akiko, ins Cockpit und schickt ihn auf Mission: Er soll den Wald suchen, dort den Rest seiner Sippe finden und mit ihm die Tiere aus dem Zoo befreien. Das passt dem Zoowärter (griesgrämig: Benno Fürmann) natürlich gar nicht und bringt die Zoodirektorin (irre: Meret Becker) völlig auf die Palme. Und schon macht die Polizei-Chefin (Heike Makkatsch mit Schnäuzer) Jagd auf das abenteuerlustige Affenkind, das in der Stadt, von Adler bis Maus, Unterstützung erfährt.
„Akiko“ holt Mufasa, Schweinchen Babe und „Planet der Affen“ ins Veit-Helmer-Kinderzimmer – und dürfte damit die junge Zielgruppe mehr erreichen als ihre großen Hochglanz-Genrevertreter. Anders als die XXL CGI-Konstrukte, die sich bis ins Detail bemüht dem Weltmarkt anbiedern, macht Helmer das, was Kinder gern machen: auf Konventionen pfeifen! Womit wir wieder beim Punk sind.
Veit Helmer arbeitet mit echten Tieren, die er sprechen lässt. Auch wenn die Animation von Schnauze und Schnabel dabei weniger pixelperfektionistisch umgesetzt sein mag als in Hollywood: Authentizität erfordert mehr als geschliffenes CGI. Und hier stellt Helmer die Vorbilder allesamt in den Schatten: Seine Figuren sind – „Lass meinen Freund los, du Doofie!“ – wahrhaftig. Lebendig. Und da stört es gar nicht, wenn sich zu den Tieren auch mal Menschen in Tierkostüm gesellen oder Puppen jubeln. Anarchie und Phantasie.
Auch Drumherum setzt Helmer auf adrett Handgemachtes: Wie in allen seinen Werken arrangiert Helmer seinen Kosmos detailreich und liebevoll. Wir begleiten Akiko in einen Glascontainer, in dem sich Waschbär Aron ein Glasflaschen-Iglu eingerichtet hat, im Briefkasten nebenan haust Frettchen Susi, gerahmt von einer Briefmarkentapete. Alles ist phantasievoll gebastelt, gebaut und arrangiert. Und rebellisch bleibt Helmer natürlich auch: Muckte seine Kinderbande im Vorgänger noch munter gegen Konformität auf, kämpfen seine Tiere nun frech für Freiheit und Nachhaltigkeit und zeigen, wer wirklich hinter die Käfiggitter gehört. Mittelfinger ohne Zeigefinger.
„Akiko“ ist ein Juwel, weil er ungeschliffen ist und deshalb so wahrhaftig. Hier wird auch mal schief gesungen, und es geht einem dabei das Herz auf. Die Musik von Malcom Arison, der zuletzt auch den Score zu Helmers Kleinod „Gondola“ verantwortete, gestaltet sich erfrischend antimusicalisch. Statt pompös orchestrierte Arien und gelackte Duette für die kommerzielle Weiterverwertung, begegnen uns hier sympathisch schlichte, lebendige, geerdete Song- und Gesangseinlagen. Meret Becker und Heike Makatsch bringen sich dabei ebenso spielfreudig ein wie u.a. Bürger Lars Dietrich und Annett Louisan aus dem Off.
Veit Helmer bewahrt bewährt das Kind in sich und huldigt auch in seinem neuen Werk auf seine unverkennbare Art der Phantasie. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Kinderfilm gehört genau hier hin. Ein erfrischendes, freches, phantasievolles Abenteuer für alle Altersstufen.
Deutscher Filmpreis 2025: Bester Kinderfilm
(Hartmut Ernst)

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