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Unterwegs, um anzukommen: Elif
Foto: Christoph Köstlin

Das Gegenteil von Coolness

22. Februar 2018

Sängerin Elif taucht uns tief in ihre Liebe ein – Popkultur in NRW 03/18

Elif versucht, die ganz großen Versprechen in einfache Worte zu kleiden. Ihre Fürsorge heilt alles, ihre Zuneigung ist weltumspannend, ihr Durchhaltewille unbeugsam, egal wie stark der Schmerz brennt. Da reimt sich dann Kissen und küssen, und im Refrain heißt es auch schon mal Oh oh oh uh oh oh oh oh uh oh oh oh oh uh oh oh.

Wer sich selbst beschreibt als jemand, der immer fürs Drama ist, muss wohl eine solche Musik machen. Gesigned bei Universal, ist Elifs Seelenpop gekonnt produziert und hochglanzpoliert und fast makellos. Fast. Denn es gibt die Zwischentöne, das Kieksen in der Stimme, das Wegbrechen im Refrain, der Moment wo das Gefühl wichtiger ist als die Reinheit des Tons. Authentizität ist eine Pose ist eine Wahrheit ist als Pose die Wahrheit. Wenn es bei Popmusik darum geht, das private und öffentliche Leben / Hören / Sehen / Identitätkonstruieren miteinander zu verbinden, ist Elif eine Meisterin ihres Fachs. „Doppelleben“ heißt ihr neues Album. Wie sie im titelgebenden Song davon erzählt, sich vor ihren Eltern nicht mehr verstecken zu wollen, wie sie ihren Wunsch beschreibt, sich in allen Facetten zeigen zu können und alles sagen zu dürfen, das vibriert nicht nur vor Entschlossenheit, sondern zugleich auch vor tief empfundener Zärtlichkeit.

Die eigene Fragilität zur Kraft zu machen, das verbindet Elif mit vielen jungen deutschen Liedermacherinnen. Dass sie nicht mit ihrer Stimme brilliert, sondern die Töne leicht und samtig in die Musik tupft, ebenfalls. Und man muss nicht erst die Herkunft ihrer Eltern aus der Türkei bemühen, um verstehen zu können: den Doppelklang der Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Gefühl von Aufgehobensein in einer Familie oder Beziehung, und dem gleichzeitigen Wunsch, ganz man selbst und unverstellt sein zu können. „Den ganzen Fake aufgeben“, singt Elif, und das mag für mehr stehen als Familienverhältnisse, denkt man daran, dass sie im Alter von 16 Jahren bei der ProSieben-Castingshow „Popstars“ teilnahm, wo sie es ins Finale schaffte.

Immer wieder geht es der gebürtigen Berlinerin um Eigensinn auf der einen und Akzeptanz auf der anderen Seite. Und nie um weniger als die gesamte Existenz. In dieser Einladung, alle Gefühlsschleusen zu öffnen, liegt etwas sehr Befreiendes. Man kann sich zuhause fühlen in diesen behutsam instrumentierten, chansonhaften Liedern. Man kann sich verwandt fühlen mit dieser Inszenierung, die nach Perfektion sucht und doch immer demonstrativ das Menschliche an erste Stelle setzen will. Und man kann sich getröstet finden in diesem ewigen Versprechen der Popmusik: „Du wirst Dich gut fühlen.“ So singt es Elif, und an anderer Stelle: „Nichts tut für immer weh.“ Und das möchte man ihr – so zauberhaft ihre Melancholie auch sein mag – aus ganzem Herzen wünschen.

Elif | Fr 9.3. 20 Uhr | Münster – Skaters Palace | Sa 10.3. 20 Uhr | Düsseldorf – zakk Halle | So 11.3. 20 Uhr | Köln – Luxor

Melanie Redlberger

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