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Gitarrist Andy Sneap schloss sich Judas Priest 2018 an
Foto: Frank Schorneck

Wenn das Bob-Fest zum Rob-Fest wird

29. Juli 2026

Rock- und Metal-Festival des Radiosenders Bob in Mönchengladbach – Musik 07/26

Nach nunmehr drei erfolgreichen Durchläufen darf man es als etabliert bezeichnen: Das alljährliche Festival von „Deutschlands Rockradio“ im Sparkassenpark Mönchengladbach. Für die dritte Ausgabe des Bob-Fests haben die Macher zwei hochkarätige Headliner gebucht, die alleine bereits die Anreise Wert wären. Doch auch Temperaturen von dreißig Grad halten viele Fans nicht davon ab, schon um 12 Uhr mittags darauf zu warten, dass sich die Tore zum Hockeypark öffnen. So ist schon eine respektable Anzahl Rockfans vor Ort, als The Gems aus Schweden das Festival eröffnen. Die Band, die sich 2023 aus ehemaligen Thundermother-Mitgliedern gründete, bietet soliden (Frauen-)Power-Rock auf den Spuren der Runaways oder Girlschool.

Motörheads Ära

Hauptgrund für das frühe Erscheinen vieler Kuttenträger dürfte allerdings der Auftritt von Phil Campbell‘s Bastard Sons sein. Geplant war der Gig eigentlich als Auftritt von Phil Campbell and his Bastard Sons – doch im März verstarb der langjährige Motörhead-Gitarrist. Das Radio-Bob-Team musste jedoch nicht nach einem Ersatz suchen, denn Campbells Söhne Todd, Tyla und Dane beschlossen, gemeinsam mit Gast-Sänger Julian Jenkins das Erbe fortzuführen und unter dem Namen Phil Campbell‘s Bastard Sons ihren Vater zu ehren. Das neun Songs umfassende Set legt einen Schwerpunkt auf Campbells Motörhead-Zeit und bietet die Chance, mal wieder zu „Ace of Spades“ oder „Killed by Death“ abzurocken. Nicht nur Campbell, sondern auch dem 2015 verstorbenen Motörhead-Sänger und -Bassisten Lemmy Kilmister wird hiermit würdevoll Respekt bezeugt.

Mit Nestor schauen die Festival-Macher noch einmal nach Schweden. Geboten wird glattgebügelter 80er-Jahre-Rock auf den Spuren von Europe oder Bon Jovi.

Die einzige deutsche Band des Line-Ups ist Beyond the Black. Die Band, die mit Female-Fronted-Symphonic-Metal à la Nightwish oder Within Tempation startete, hat sich mittlerweile einen eigenen Sound erarbeitet. Wäre es nicht ohnehin schon heiß, hätten Jennifer Haben und ihre Jungs den Hockeypark mühelos zum Kochen gebracht. Das Publikum ist also bestens aufgewärmt für die Headliner des Abends.

Harter Schädel

Ja, auch wenn Airbourne nur eine Stunde Spielzeit zugestanden wurde, haben die Australier für viele auf dem Gelände Headlinerstatus, wenn es nach der Dichte an Airbourne-Shirts geht. Die australische Band, vor rund einem Vierteljahrhundert gegründet von den Brüdern Joel O’Keeffe (Gesang, Leadgitarre) und Ryan O’Keeffe (Schlagzeug), wandelt musikalisch in den Fußstapfen einer doppelt so alten (ebenfalls australischen) Band, die von den Brüdern Angus und Malcom Young gegründet wurde. Druckvoller Hardrock mit Blues- und Boogie-Einflüssen und treibenden Riffs bietet eine Energie, die AC/DC bei aller Liebe heute nicht mehr auf die Bühne bringen. Joel übernimmt neben Gesang und Gitarre auch die Rolle der absoluten Rampensau. Seine Schuluniform ist der freie Oberkörper, sein Gesang lässt AC/DC-Sänger Brian Johnson alt aussehen. Auch ein Airbourne-Konzert hat seine Rituale: Statt Glocke, blankgezogenem Hintern und Kanonen gibt es Bier, Bier und zum Höhepunkt Bier. Beim Bad in der Menge auf den Schultern eines Roadies lässt Joel O‘Keeffe eine Bierdose an seinem Schädel bersten und duscht die Anhängerschaar mit Bier – ohne dabei sein Gitarrensolo zu unterbrechen. Bei einem anderen Song wirft er zu rund einem Drittel gefüllte Bierbecher in erstaunlichen Flugbahnen ins Publikum. Die Songs bieten so simple wie geniale Strukturen und jede Menge Mitgrölpotential, die Party dürfte ruhig länger dauern. Mit dem neuen Song „Alive after Death“ richten auch Airbourne Grüße an Lemmy – und nach dem Hinweis, dass Judas Priest aus Birmingham stammen, würdigen die Headliner der Herzen einen anderen Sohn der englischen Stadt, Ozzy Osbourne, indem sie ihren Hit „Runnin‘ Wild“ mit einem „Paranoid“-Schnipsel einläuten.

Freudentränen

Nach einer 45-minütigen Pause (das Zeitmanagement des Festivals ist exzellent) erklingen mit „War Pigs“ noch einmal Ozzy Osbourne und Black Sabbath aus der Konserve, seit langer Zeit das Intro für Show von Judas Priest – den offiziellen Headlinern des Abends. Hier in Mönchengladbach wird der Song nicht ausgespielt, vermutlich, weil um 22 Uhr die Speerstunde droht. Mit „You’ve Got Another Thing Comin‘“ starten Priest direkt mit einem Klassiker, gefolgt von „Metal Gods“ und „Breaking the Law“. Erste große Überraschung der Setlist ist „The Ripper“ vom immerhin schon 50 Jahre alten Album „Sad Wings of Destiny“ – schon etliche Jahre nicht mehr live gespielt. Nachdem bei der letzten Tour noch das 2024er Album „Invincible Shield“ sehr präsent war, liegt bei der Faithkeepers-Tour – oder zumindest in Mönchengladbach – der Fokus auf den 1970er und 1980er Jahren der Band. Fans der ersten Stunde haben Freudentränen in den Augen, als sie die ersten Klänge von „Delivering the Goods“ erkennen. Rob Halford, der unangefochtene Metal God, bietet für seine 74 Jahre eine beeindruckende Gesangsleistung, insbesondere beim anspruchsvollen Klassiker „Victim of Changes“. Bei „Painkiller“ wiederum liegt er zum Teil neben dem Ton. Aber was soll’s, man ist dankbar, diese Wegbereiter der damaligen „New Wave of British Heavy Metal“ immer noch live erleben zu können. Zur Zugabe knattert Halford wie immer mit einer Harley auf die Bühne, um „Hell Bent for Leather“ einzuleiten. „Living after Midnight“ beschließt den mitreißenden Gig mit allgemeiner Partystimmung.

Das Bob-Fest 2027 ist bereits angekündigt (24. Juli), und man darf gespannt sein, ob die Headliner des kommenden Jahres an die Qualität anknüpfen können. Das Festivalgelände selbst eignet sich überraschend gut, weil der Innenraum eher in die Breite als in die Tiefe geht. So ist man trotz der 13.000 verkauften Tickets nirgendwo allzu weit von der Bühne entfernt, und das Festival behält einen familiären Charakter. Vielleicht hätten die angesichts der Temperaturen sehr sinnvollen Trinkwasserstellen etwas besser sichtbar ausgeschildert sein können, auch ist bei viel größeren Events im Sommer mittlerweile die Mitnahme kleiner Tetrapacks erlaubt, während am Sparkassenpark streng gefilzt wird – aber viel mehr gibt es nicht zu kritisieren. Im Gegenteil: Weil am Sparkassenpark nicht nur bei der Einfahrt auf die Parkplätze kassiert wird, sondern auch zum Ende des Festivals Personal den Verkehr regelt, gelingt die Abfahrt trotz der Größe überraschend reibungslos. Da könnten sich andere Veranstaltungsstätten mehr als nur eine Scheibe von abschneiden.

Frank Schorneck

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