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Beim IFFF müssen Männer nicht draussen bleiben: Eröffnungsfilm „Draußen“ von Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht
Foto: Thekla Ehling

Von außen und von innen

29. März 2018

Diversität und ihre Repräsentanz beim Internationalen Frauenfilmfestival – Festival 04/18

Keine Frage: Ein Filmfestival wie das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund / Köln (IFFF), das seinen Fokus auf die Frauen vor und hinter der Kamera legt, hat seine Daseinsberechtigung. Die Tatsache, dass der Anteil von Frauen im Film weit hinter ihrem Bevölkerungsanteil liegt, ist Grund genug für ein solches Festival. Und dennoch haben die Debatten des letzten Jahres seine Notwendigkeit noch deutlicher vor Augen geführt. Debatten, die sich kurz und knapp per Hashtag in Erinnerung rufen lassen: #metoo, #timesup #nobodysdoll, #proquoteregie beziehungsweise #proquotefilm bis hin zu #paygap. Vor allem im vergangen Jahr sind Fragen zu Diversität und Repräsentanz, zu Sexismus und Übergriffen am Arbeitsplatz, zu ungleicher Bezahlung und überhaupt zu Chancengleichheit prominent diskutiert worden. Der Fall Weinstein und dessen Folgen hat ein neues Bewusstsein geschaffen, so dass tatsächlich die Machtstrukturen in Hollywood und auch jenseits der Filmbranche ins Wanken gebracht wurden. Die Frage nach Repräsentanz, sowohl vor als auch hinter der Kamera, wird lauter gestellt denn je. Zuletzt setzte die Oscar-Gewinnerin Frances McDormand in ihrer Dankesrede ein beeindruckendes Zeichen und ließ alle nominierten Frauen im Saal aufstehen. Sichtbarkeit ist für ein Filmfestival natürlich ein grundliegendes Thema.

„Feministisch, vielstimmig und multimedial“ – so überschreibt das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund / Köln sein diesjähriges Festivalprogramm. Nach der letztjährigen Ausgabe in Dortmund findet das alternierend in den beiden Städten ausgetragene Festival in diesem Jahr vom 24. bis zum 29. April wieder in Köln statt (ein kleines Auswahlprogramm ist vom 26. bis zum 28. April in Dortmund zu sehen). An sechs Tagen präsentiert die 35. Ausgabe rund 100 Filmein den Sektionen „Panorama“ für außergewöhnliche Erzählperspektiven und Bildsprache, „begehrt! – Filmlust queer“ und dem „Fokus“ mit dem Länderschwerpunkt „Über Deutschland“.

Im Zentrum des Festivals stehen die drei Wettbewerbe. Neben dem Deutschen Wettbewerb fürNachwuchs-Bildgestalter*innenfür die häufig zu wenig beachteteKameraarbeit und dem vonchoices gestifteten Publikumspreis in Höhe von 1000 Euro für das beste Feature (Spiel- oder Dokumentarfilm) ist dasder mit 10.000 Euro dotierte Internationale Debüt-Spielfilmwettbewerb mit acht aktuellen Produktionen, darunter zwei Deutschlandpremieren. Die Filme aus aller Welt erzählen Geschichten von Familie, Flucht und Abschied. Aber auch der Fokus mit dem Titel „Über Deutschland“ ist charakteristisch für das Festival, das neben ästhetischen auch immer politische Positionen in den Blick nimmt. Die hier gezeigten Filme verhandeln Themen wie Vielfalt, Identität sowie Aneignung und Selbstermächtigung. Denn noch viel zu häufig werden Marginalisierte zwar thematisiert, aber die Perspektive ist ein Blick von außen auf die Betroffenen, und nicht die Perspektive der Betroffenen. Auf dem IFFF wird daher auch ein Kurzfilm präsentiert, den die Filmemacherin Britta Wandaogo zuvor in einem Workshop mit 18- bis 20-jährigen TeilnehmerInnen zu dem Motto „I speak so you don’t speak for me - The Cinema of Me“ erarbeitet hat.

Die Außenperspektive könnte man auch dem Eröffnungsfilm „Draußen“ der beiden Kölner RegisseurinnenJohanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht vorwerfen. Doch die Dokumentation, die auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere feierte, hat ganz eigene Qualitäten: Vier Männer, die auf der Straße leben, werden zuallererst anhand ihrer wenigen Besitztümer porträtiert. Beide Regisseurinnen sind Absolventinnen der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) und zugleich Gründungsmitglieder des Kollektivs Dokomotive, das sich für bessere Bedingungen für den Dokumentarfilm einsetzt. Die Kameraarbeit hat die Französin Sophie Maintigneux übernommen, die an der KHM lehrt. Hinter der Kamera Frauen, davor Männer – auch diese ungewöhnliche Verteilung findet man auf dem IFFF. Hier müssen Männer aber nicht draußen bleiben, sondern sind herzlich eingeladen, Filme zu gucken und zu diskutieren. Nur gemeinsam kann es funktionieren.

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln | 24. - 29.4. | diverse Orte | www.frauenfilmfestival.eu

Christian Meyer-Pröpstl

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