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Filmstill aus „Speaking Flowers“, Regie: Conrad Veit und Charlotte Maria Kätzl

Humanoide Blumen

18. Dezember 2023

„Speaking Flowers“ beim Filmfestival blicke – Festival 12/23

Es ist ein Meer aus bunten Blumen auf der Leinwand. Conrad Veit und Charlotte Maria Kätzl entführen mit ihrem Beitrag für das blicke-Festival „Speaking Flowers“ in eine Traum- oder Märchenwelt, in der Blüten sprießen und die Menschheit abgedankt hat. Zumindest für diese Viertelstunde, in der eine florale Überfülle auf der Leinwand flimmert. „Es stimmt einen Abgesang auf die Natur an“, sagt Conrad Veit über den experimentellen Streifen, den die Jury mit dem gender&queer-Preis bedacht hat. In der Urteilsbegründung heißt es: „Queer ist dabei nicht nur eine Kritik an Norm-Versprechen von Glück, sondern auch eine Ästhetik, die sich aufdrängt und die wehtut, von der wir aber nicht genug bekamen.“

Aus Mensch und Tier

Zu dieser Ästhetik gehört wiederum das Kostüm, in dem Charlotte Maria Kätzl steckt: ein humanoides Blumengestrüpp, das wie eine dadaistische Reminiszenz an Hugo Balls „Blechpriester“ wirkt, und welches sich nahtlos der floralen wie knallbunten Überfülle der Landschaft anpasst. „Wir spielen ironisch mit dem Überschwang der Farben und Blumen“, verrät Veit, „dieser Film ist aus dem Gefühl heraus entstanden“. Zugleich erinnert „Speaking Flowers“ an einen Berlinale-Beitrag, den Veit bereits 2021 einreichte: „Blastogenese X“, ein Manifest der Diversität, inspiriert von Regisseuren wie Kenneth Anger, einer Ikone der queeren Kinematografie. Bereits dieser Film zeigte Figuren, die wie Hybride aus Menschen und Tier daherkommen, die Drag-Form als „Animal Drag“.

Geschminkte Welt

Nun ist es Kätzl, die sich zuweilen sechsarmig als Blumenhybrid gebärdet und dabei an Donna Haraways posthumane Vision eines „Chthuluzäns“ erinnert. Zu ihr gesellen sich ein Bambi, das das Publikum anlächelt und ein weißes Kaninchen, als wäre es „Alice im Wunderland“ entsprungen. „Wir arbeiten häufig so, dass wir Motive aus der Popkulturgeschichte zitieren und diese dekontextualisieren“, verrät Veit. Einen psychedelischen Sog untermauern nicht nur die Kraut- und Stonerrock-Gitarrenriffs, die irgendwann aus dem Off knarzen. Auch die Kodak-Super-8-Kameratechnik trägt zu einer Retro-Verfremdung bei, unter anderem als „Körperlichkeit des Analogfilms“, so Veit, „die Welt erscheint gefärbt und eingeschminkt.“

Benjamin Trilling

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