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Apartmenthaus Tel Aviv, Arch.: Shimon Hamadi Levy, 1934-35
Foto: © Irmel Kamp

Avantgardistische Bauten

05. September 2022

Irmel Kamp und Andreas Rost im Baukunstarchiv – Ruhrkunst 09/22

Die Fotoausstellung im Baukunstarchiv birgt Überraschungen: westliche Avantgarde-Baukunst der 1930er/40er Jahre mitten im Orient! Im eng verbauten Stadtraum Teherans stehen Gebäude aus Beton, Stahl und Glas, horizontal gegliederte kubische Baukörper mit Flachdächern und glatt verputzten, stromlinienförmigen Fassaden mit umlaufenden Balkonen. Markante Unikate, die an Bauhaus erinnern, ohne Bauhaus zu sein – genutzt, bewohnt, aber auch sichtbar vernachlässigt.

Entdeckt und abgelichtet hat sie der Weimarer Fotograf Andreas Rost. 2018 durfte Rost mehr oder weniger heimlich in Teherans Wohnvierteln auf Fotopirsch gehen, gemeinsam mit dem Architekturhistoriker und Kurator Christian Welzbacher. Ihre Ausbeute verblüfft. Für die Ausstellung hat sich Welzbacher dennoch beschränkt auf wenige Beispiele und eine komprimierte fotografische Gegenüberstellung konzipiert, die anregt, sich mit dem vielschichtigen Themenfeld der Architekturströmung „International Style“ zu befassen: Er stellt Teheran neben Tel Aviv, 26 Werke von Rost neben 26 Werke der Aachener Fotografin Irmel Kamp.

30 Jahre vor Rost war Irmel Kamp im Nahen Osten ebenfalls auf den Spuren des Neuen Bauens unterwegs: in Tel Aviv und unter den großzügigeren Bedingungen eines mehrjährigen Forschungsprojekts. Mit ihrer Mittelformatkamera dokumentierte sie die bemerkenswerten 1930erJahre-Häuser der Neusiedler mit westlichen Wurzeln und Sinn für die Moderne. Damals in den 1980ern, erinnert sich Kamp, gab es keine allgemeine Aufmerksamkeit für dieses Bauerbe. Heute schätzt und pflegt Israels Metropole am Meer ihr „Tafelsilber“, das seit 2003 als Weltkulturerbe „Weiße Stadt“ Touristen ins Land lockt.

Hier gezieltes Marketing, dort Verfall. Für die Gegenüberstellung konzipierte Ausstellungsarchitekt Stremmenos ein Gerüstobjekt aus transparenten Standmodulen, in die die 52 Schwarz-Weiß-Fotografien eingehängt sind, paarweise über Eck. Auf Zuordnungshinweise und Bildtitel wurde verzichtet. Ein gewolltes Verwirrspiel, sagt der Kurator, das zum genauen Hinsehen und zum Vergleichen ermuntere –der fotografischen Stile wie auch der einzelnen Bauten, ihrer Geschichte, ihrer Nutzung und ihres Zustands zur Aufnahmezeit. Wird Teheran wohl die nächste „Weiße Stadt“?

Teheran – Tel Aviv. Irmel Kamp – Andreas Rost. Experiment International Style 1930–1940. Eine fotografische Begegnung | bis 9.10. | Baukunstarchiv NRW, Dortmund | 0211 496 78 22

Claudia Heinrich

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