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Der Tunnel
Foto: Katja Illner

„Eine ganz selbstverständliche Kommunikation mit der Welt“

26. Juni 2019

Die „Sommer“-Ausstellung im Düsseldorfer Kunst im Tunnel – Sammlung 07/19

Vier Künstlerinnen produzieren im Düsseldorfer Kunsttunnel eher unauffällige Manipulationen, die wie ein Teil des Alltags wirken. trailer sprach mit der Kuratorin Gertrud Peters.

trailer: Frau Peters, kann es sein, dass es eine ziemlich ruhige „Sommer“-Ausstellung im Tunnel wird?
Gertrud Peters: Es ist auf jeden Fall eine Ausstellung, die sehr lebendig wird, aber nicht laut und dramatisch. Es sind keine spektakulären Auftritte, die im Sommer im KIT stattfinden. Da findet „nur“ eine ganz selbstverständliche Kommunikation mit der Welt statt.

Habe ich das richtig verstanden: Es wird ein Parcours in der Röhre mit den Besuchern als Hauptakteuren?
Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich ist es eine Bühne. Die vier Künstlerinnen haben eigentlich vier Bühnenbilder aufgebaut. Dabei sind sie keine Künstlergruppe – jede arbeitet für sich, individuell. In den Bildern gibt es verschiedene Requisiten, mit denen etwas passiert, und so entstehen Stimmungen, in denen die Besucherinnen und Besucher sich selbst erleben können. Das hat auch sehr viel mit Langsamkeit zu tun und mit Warten und dem miteinander Sprechen. Aber auch mit Freude und Enttäuschung.

Gertrud Peters
Foto: Katja Illner
Zur Person:
Gertrud Peters
ist Kunsthistorikerin, Journalistin und Kuratorin, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seit der Gründung 2007 ist sie die Künstlerische Leiterin des Ausstellungsraumes KIT – Kunst im Tunnel, in dem vorrangig junge Künstler ihre Werke zeigen.

Viele Erstbegeher im Tunnel werden sich fragen: Wird das da im Sommer nicht heiß?
Nein. Wenn es sehr, sehr lange sehr warm ist, dann kann es schon ein bisschen wärmer werden. Vor ein paar Jahren, als es draußen so heiß wurde, ist der Tunnel, also das KIT, als drittkühlster Ort Düsseldorfs ausgezeichnet worden.

Und wo wird da geangelt?
Geangelt wird auf einem Podest ganz am Ende des Tunnelraums. Da klettert man dann als Besucher hoch und dann kann man seine Angel durch ein Loch stecken und dann muss man warten, bis ein anderer Besucher einen Fisch, den es dort in einer Vitrine gibt, an die Angel hängt. Wenn das passiert, hat man sehr viel Glück, denn den Fisch, den die Künstlerin Ji hyung Song selbst gegossen hat, den darf man dann behalten.

Endlich mal nur Frauen in einer Ausstellung: Wie dominant wird der Raum dabei bleiben?
Nur Künstlerinnen, ja. Aber die Setzung hat sich so ergeben. Wir haben lange diskutiert, wen wir einladen, und am Schluss sind es dann vier Frauen geworden und es wird ganz massiv etwas zu sehen sein. Sachen, die auch eine eigene Präsenz haben. Niemand würde von selbst auf die Idee kommen, dass es eine Ausstellung mit vier Künstlerinnen ist.

Was verbindet die vier?
Tatsächlich haben sie irgendwo in Europa schon mal miteinander gearbeitet. Ji hyung Song habe ich hier in Düsseldorf in der Klasse von Gregor Schneider entdeckt und sie kennt die anderen Künstlerinnen und meinte, das wäre eine tolle Truppe, um hier etwas zu reißen. Wir haben uns dann lange unterhalten und gedacht, dass wir das machen sollten.

Und was verbindet die wechselnden Performer/innen?
Neben den Künstlerinnen haben wir wechselnde Performerinnen und Performer, die während der Woche auftreten. Jeder ist für eine der vier Installationen zuständig. Dort wird man als Zuschauer dann besondere Stimmungen erleben. Allerdings muss man sich dafür was trauen: Man kann auf der Bühne herumschreiten, man kann auf der Parkbank sitzen, man wird vielleicht an Keller oder Dachböden erinnert, in denen man Sachen verwahrt hat, und wie schon gesagt, man kann angeln. Also es gibt eine ganze Menge, die man tun kann, wenn man sich darauf einlässt.

Zeitbezogene digitale Medien sind en vogue. Verliert das Haptische seine Bedeutung?
Bei uns in der Ausstellung sind keine digitalen Medien vertreten. Das sind Performances mit Körpern, Musik, Geschichten – alles erinnert ein bisschen an Theater. Insgesamt glaube ich nicht, dass die anderen Medien an Bedeutung verlieren. Gerade bei Performance geht es hoch her – das sieht man auch daran, dass es besonders unterstützt wird: Fast alle Anträge, die wir gestellt haben, haben wir genehmigt bekommen. Das meiste Geld haben wir von der Bezirksregierung gekriegt. Da passiert ganz viel mit Menschen und ich glaube, dass die Sehnsucht, doch etwas mit Menschen zu tun zu haben, immer größer wird.

Einmal zahlen, zweimal schauen, ist das auch dem immer wieder flüchtigen Moment in Performances geschuldet?
Unbedingt. Wir können uns nicht leisten, pausenlos Performances zu zeigen. Daher möchten wir auch dem zufälligen Besucher, der vorher nicht in den Plan geschaut hat – den wir übrigens auch zuschicken und der im Internet zu sehen ist – die Möglichkeit bieten, den mitzunehmen und kostenlos nochmal wieder zu kommen.

Sommer | 29.6. - 6.10. | KIT – Kunst im Tunnel Düsseldorf | 0211 52 09 95 96

INTERVIEW: PETER ORTMANN

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