Roter Teppich vor dem Lehmbruck Museum im Duisburger Kantpark. Das Museum feierte sein 50-jähriges Jubiläum mit der Wiedereröffnung nach seiner Renovierung standesgemäß. „Standesgemäß“ heißt in Zeiten, in denen kaum Geld zur Verfügung steht: Das Museum rekonstruiert seine Geschichte und besinnt sich auf die eigenen Werte, die Sammlung. Es ist der Verdienst von Söke Dinkla als Direktorin, nun die Qualitäten des Museums herauszuarbeiten. Einst ist dieses Ausstellungsinstitut mit dem Anspruch angetreten, ein relevantes Zentrum der Skulptur zu werden, mit dem Nachlass des berühmten expressionistischen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck als Basis. Nun zeigt das Museum Einblicke in seine Bestände zur Skulptur. In der Fenstergalerie dominieren die Plastiken von Hans Arp und Max Ernst, in der Halle zum Park hin sind Meisterwerke der Klassischen Moderne zu sehen, darunter Bellings „Dreiklang“, Laurens‘ „Clown“, platziert auf einem Sockel mit langsam drehender Auflagefläche, und natürlich Constantin Brancusis „Négresse blonde“. Vertreten sind auch die ZERO-Künstler Mack und Uecker, wobei die Ausstellungsarchitektur mit Tischen und Vorhängen die Skulpturen übertrieben separiert.
Auch der Lehmbruck-Flügel, 1964 gebaut vom Sohn von Wilhelm Lehmbruck, wirkt leer, nüchtern. Aber hier steckt ein tieferes Konzept dahinter, und wir sehen die Rekonstruktion der damaligen Eröffnungsausstellung. Lehmbrucks Hauptwerke sind hier im Übrigen sämtlich ausgestellt.
Gleich am Eingang, im Glaskubus aber hat Söke Dinkla dem Performancekünstler Tino Seghal freie Hand gelassen. Er lässt hier ein Paar körperbetont interagieren in Korrespondenz zu von ihm ausgewählten Skulpturen der Sammlung. Wenn Seghal nur etwas zu den Kunstwerken zu sagen hätte! Weder funktioniert seine Auswahl noch die Präsentation dieser Skulpturen. Geniale Künstler müssen nicht auch geniale Kuratoren sein. Und doch, insgesamt gelingt Söke Dinkla zur Eröffnung ein Statement – es ist ein ernsthafter Beginn unter schwierigen Verhältnissen.
„Eine große Idee – 50 Jahre Lehmbruck Museum“ | bis 18.1.15 | Lehmbruck Museum | Duisburg | 0203 283 26 30
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