Pressing statt Pool – während viele Teamkolleginnen ihre Urlaubszeit genießen, widmen sich gleich sechs Spielerinnen des Bundesligisten FCR 2001 Duisburg in diesen Tagen einer bundesweit beobachteten Aufgabe: Bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen wollen Ursula Holl, Linda Bresonik, Annike Krahn, Simone Laudehr, Inka Grings sowie Alexandra Popp mit der deutschen Nationalmannschaft den Titel im eigenen Land erfolgreich verteidigen. Als siebte WM-Kandidatin war Abwehrspielerin Sonja Fuss überraschend nicht berücksichtigt worden. Dennoch stellt der einst als FC Rumeln-Kaldenhausen gegründete Erfolgsklub, der im Juni gerade sein zehnjähriges Bestehen als eigenständiger Verein unter dem heute gültigen Namen feierte, gemeinsam mit Vizemeister 1. FFC Frankfurt den Löwenanteil im Kader von Bundestrainerin Silvia Neid. Dank ihrer professionellen Strukturen zählen die von den drei Hauptsponsoren Sparkasse Duisburg, Stadtwerke Duisburg sowie Duisport unterstützten Grün-Weißen seit Jahren zu den führenden Adressen im Frauenfußball. Denn neben der bisher einzigen Deutschen Meisterschaft im Jahr 2000 notiert die Statistik bereits sechs „Vize“-Titel sowie drei DFB-Pokalsiege. Größter Triumph der jüngeren Vergangenheit war der Uefa-Cup-Erfolg 2009, den die Top-Kulisse von 28.000 Zuschauern beim Finalrückspiel gegen den russischen Champion Perm in der Duisburger MSV-Arena bejubelte. Zum Vergleich: Zu den Heimspielen im schmucken PCC-Stadion im Stadtteil Homberg kommen regelmäßig zwischen 1.000 und 2.000 Fans. Die abgelaufene Saison mit Platz drei in der Liga, dem Viertelfinal-Aus im Pokal-Wettbewerb sowie dem verpassten Champions-League-Endspiel haben die Verantwortlichen allerdings rasch abgehakt.
Trainer Marco Ketelaer: „Ich fordere Aggressivität in den Zweikämpfen“
Um mit den spielfreudigen Kickerinnen aus dem Revier um Top-Stürmerin Grings auch in der nächsten Saison wieder ganz oben mitzumischen, bleibt sich der Vorstandsvorsitzende Dieter Oster treu: „Wir setzen weiterhin konsequent auf unsere Philosophie, neben gestandenen Stammkräften mit hoffnungsvollen, jungen Perspektivspielerinnen die Zukunft anzugehen“. Außerdem wechselt das offizielle Kommando an der Seitenlinie: Am 4. Juli bittet der ehemalige Assistenzcoach Marco Ketelaer als neuer Cheftrainer zu den ersten Übungseinheiten. Wenn der FCR ab Ende August wieder auf Punktejagd geht, herrscht hoffentlich vor allem hinter den Kulissen wieder mehr Ruhe. Denn die Entlassung im Februar von Klub-Ikone Martina Voss-Tecklenburg als Coach brachte einige Turbulenzen ans Tageslicht, die der mittlerweile 74-jährige Oster mit seinen ausschließlich männlichen Kollegen im Vorstand und Aufsichtsrat in den Griff bekommen muss. Auf dem Platz dürfte es dagegen nach Ankündigung von Marco Ketelaer höchst diszipliniert zugehen: „Ich fordere Kombinations-Fußball und Spielkontrolle gepaart mit der nötigen Aggressivität in den Zweikämpfen.“ Ob diese Mischung reicht um die favorisierten Rivalen Turbine Potsdam, Frankfurt oder auch Wolfsburg ernsthaft zu ärgern, bleibt abzuwarten.
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